interview:
THEATRES DES VAMPIRES "Der Tod ist keine
Lösung"
Theatres des Vampires sind eine faszinierende Band, auch wenn
das Image, das sich die Band gegeben hat, manch einem als überzeichnet und
durch Bands wie Cradle of Filth oder Notre Dame mittlerweile vollkommen
überholt scheint. Doch vorsichtig, Theatres des Vampires beschäftigen
sich seit, wenn auch zum Teil noch unter anderem Namen, mittlerweile über
dreizehn Jahren mit dem Thema des Vampirismus, wobei die Ernsthaftigkeit der
Studien, mit der vor allem Sänger Alexander und Keyboarder Fabian diese
betreiben, weit über romantisch verklärte Liebhaberei hinaus gehen.
Das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe dieses Mythos ist fundiert
und wird mit der Band seit mittlerweile mehr als einer Dekade stilecht
transportiert, ohne in Effekthascherei zu verfallen. Musikalisch haben Theatres
des Vampires dabei ebenfalls eine erhebliche Wandlung durchlaufen, denn vom
Black Metal früherer Tage ist auf "Suicide Vampire", dem neuen Album der
Italiener, nicht mehr viel übrig geblieben.
GW: Wie wir alle wissen, ist das Schicksal des
Vampirs vorherbestimmt. Er muss, um überleben zu können, töten
und ist nicht in der Lage, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Bezogen auf
den Titel des Albums scheint es daher so zu sein, dass ihr eine neue
Perspektive gewählt habt, aus der die Geschichte erzählt wird und der
Vampir, dessen Geschichte ihr erzählt, nun an den Punkt gelangt ist, wo er
des Lebens müde ist und sich nur noch nach dem ewigen Frieden
sehnt.
Fabian: Zunächst
einmal wollten wir unserer Kunst eine neue Ausdrucksform hinzufügen. Das
Lesen der Texte und der Geschichte, die wir erzählen, ist nur ein Aspekt.
Man muss auch das Album als symbolischen Ausdruck unserer Kunst zu Rate ziehen,
die eine gänzlich andere Aussage besitzen kann. Weiterhin markiert jedes
Album den Beginn eines Konzeptes, das wir mit dem nächsten Album
erklären und fortführen, ganz wie ein Buch, bei dem sich die
einzelnen Kapitel miteinander verbinden. Die Geschichten, die wir mit diesem
Album erzählen, sind der Beginn einer noch dramatischeren Handlung, die
wir mit dem nächsten Album präsentieren werden. Die Texte des
nächsten Albums werden noch gothiiorientierter ausfallen, wobei der Anteil
an satanischen Inhalten noch geringer sein wird. Texte, die die menschliche
Natur im Angesicht des Todes erklären werden. Der Titel des Albums besitzt
auch eine symbolische Bedeutung, wo wir die Wahl des Selbstmodes oder des
Lebens als Vampir aufzeigen. Wir denken, dass der Selbstmord die humanere
Lösung wäre, eine Lösung, die Teil eines Mechanismus ist, die
unser Ego jeden Tag ein bisschen mehr zerstört. Desweiteren gibt es die
Möglichkeit die Augen zu öffnen und die Welt so zu sehen, wie sie
ist, wie armselig wir Menschen sind, wie sehr wir ausserhalb der Mechanismen
stehen, um zu erkennen, dass wir alleine, dass wir Fremde sind. Diese
Lösung ist nur schwer zu akzeptieren. Alleine zu sein, anders zu sein, von
allen als verrückt betrachtet zu werden, während sich die Freunde und
die Frau jeden Tag mehr und mehr von einem zurückziehen. Vielleicht
müssen auch die Unsterblichen einen Preis zahlen.
GW: Warum habt ihr dieses Mal ausgerechnet
diese Erzählperspektive gewählt? Fabian: All dies ist Teil des Konzeptes, das
sich jeden Tag und jedes Jahr fortsetzen wird. Daher haben wir uns für
dieses Album entschieden, eine andere Perspektive zu wählen und den Moment
der Entscheidung zu analysieren, tot oder untot zu sein, ein Mensch oder ein
Untoter zu sein.
GW:
Setzt man sich mit den Texten von "Suicide Vampire" auseinander,
so entsteht der Eindruck, der Vampir zweifle an seiner Existenz und dem
Schicksal andere Menschen zu töten, um selbst überleben zu
können. Fabian: Exakt, die
Augen zu öffnen bedeutet für ihn, seine menschlichen Züge zu
verlieren und aus seinen Träumen zu erwachen. Das ist etwas, was in
übertragenem Sinn auch täglich im realen Leben passiert. Wenn man
eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen hat, wird es immer jemanden geben,
der diese nicht nachvollziehen kann. Häufig hat solch eine Entscheidung
auch Auswirkungen auf das Leben eines anderen Menschen. Wenn man aufgrund solch
einer Entscheidungen einen Menschen verliert, dann kann das schon so sein, als
ob man einen Menschen tötet.
GW:
Vergleicht man die Musik des neuen Albums mit den älteren
Veröffentlichungen Theatres des Vampires´, so fällt auf, dass
die Black Metal-Roots der Band mittlerweile fast vollständig der
Vergangenheit angehören und sich die Band nun stärker dem Gothic
Metal zugewandt hat. Dabei wird deutlich, dass sich die Musik sehr an der
Handlung und dem jeweiligen mentalen Zustand des Vampirs
orientiert. Fabian: Das stimmt, mit
dem Black Metal haben wir abgeschlossen. Wir entwickeln uns ständig weiter
und haben nun die nächste Stufe in der Entwicklung der Band erreicht.
Zudem gibt es in der Tat eine sehr enge Verbindung zwischen der Musik und dem
Gemütszustand des Vampirs. Wir erzählen jetzt die Geschichte des
menschlichen Sterbens, eine Story über Gräber, über Blumen auf
diesen Gräbern und über Tränen aus Blut, also eine sehr traurige
Geschichte, die in ihrer Atmosphäre sehr gothikmässig ist und auch
dementsprechend musikalisch umgesetzt werden muss. Aber hier reden wir bereits
über das nächste Album.
GW:
Wo liegen aus Sicht der Band die hauptsächlichen
musikalischen Unterschiede zu den älteren
Veröffentlichungen? Fabian:
Dieses Album besitzt mehr Pathos in den Chor- und Streicherarrangements und ist
atmosphärisch sehr viel dunkler. Manche der Sounds, wie der des Todes zum
Beispiel, sind sehr kalt. Daher haben wir uns hier für einen digitalen
Drumsound entschieden, indem wir alle verwendeten Sounds getriggert haben. Der
Drumsound ist daher weniger akkustisch als noch in der vorhergegangenen
Kapiteln. Auf der anderen Seite haben wir aber den Chor, der sehr
natürlich und sehr beschwörend klingt. Das Album ist demnach wie
schwarz und weiss, wie das Leben und der Tod, wie Himmel und Hölle.
GW: Aufhorchen lässt "Der
makabre Tanz des Vampirs", die Adaption des gleichnamigen französischen
"La Danse Macabre du Vampire", der zwar, wie das Original, musikalisch zu
gefallen weiss, wo die Übersetzung dem künstlerischen Anspruch der
Band an sich selbst durch den vulgären Sprachgebrauch aber leider nicht
gerecht wird. Fabian: Nun, wir
haben viele Fans in Deutschland und haben diese Version aus Spass und als
Geschenk für unsere deutschen Fans eingespielt. Die Übersetzung
stammt nicht von uns und aus deinem Blickwinkel heraus kann ich mir daher schon
vorstellen, dass es nicht so einfach ist, diese Version zu hören. Aus der
Sicht des Künstlers ist die englische Übersetzung wahrscheinlich die
bessere, aber "La Danse Macabre Du Vampire" besitzt ohnehin von der lyrischen
Seite einige Momente, die manch einer, ganz der Intention des Songs folgend,
als ziemlich heftig und "politisch wenig korrekt" betrachten wird. Vom Sound
her ist der Song sehr kommerziell, dafür aber mit sehr unflätigen
Worten. Wenn ich mir vorstelle, dass jemand in einer Gothic Disco zu diesem
Lied tanzt und den Text mitsingt, muss ich wirklich schmunzeln, aber auch das
ist letzten Endes ein Teil unserer künstlerischen Ausdrucksformen.
GW: Das Leben des
Vampirs wird in der Literatur oft romantisch verklärt dargestellt. Dabei
werden neben dem dunklen und sexuellen Element sowie seinen perversen
Phantasien häufig auch seine melancholischen und oft
todessehnsüchtigen Stimmungen in den Mittelpunkt gerückt, vor allem,
wenn man sich die "Nosferatu""-Verfilmungen von Murnau und Herzog oder auch die
"Dracula"-Version Francis Ford-Coppolas ansieht. Werden diese Darstellungen
deiner Sichtweise auf den Vampir gerecht oder was macht deiner Meinung nach
einen Vampir aus? Fabian: Ich
denke, dass der Vampirismus ein versteckter Teil, von mir aus auch schlafender
Teil, der menschlichen Psyche ist. Daher haben sich im Laufe der Jahre auch die
unterschiedlichsten Künstler dieser Thematik angenommen. Der menschliche
Geist unterscheidet sich ja auch von Mensch zu Mensch. Natürlich besitzt
der Vampir einen sexuellen Bezug. Blut ist eine vitale Flüssigkeit, die
man trinken kann und manch einem das Gefühl eines lustvollen Orgasmus
beschert. Für mich wird man genau dann zum Vampir, wenn man seine
Menschlichkeit verliert. Wenn man mit neuen Augen sieht und mit anderen Ohren
beginnt zu hören. Genau in diesem Moment wird man ganz alleine sein, ein
Fremder in einer Wüste der Verzweiflung, ohne Freunde und ohne Liebe, aber
sicher ohne die Ketten, die einen sonst gefesselt haben.
GW: Betrachtet ihr den Vampir als real
existierende Gestalt aus Fleisch und Blut oder eher als Symbol für
bestimmte menschliche Charakterzüge oder mentale
Geisteszustände? Fabian: Es
gibt eine Reihe historischer Vampire. Gräfin Bathory zum Beispiel. Das
Image des Vampirs verfolgt den Menschen von Anbeginn und man wird in den
meisten überlieferten und antiken Texten Hinweise auf seine Existenz
finden. In unzähligen graphischen Darstellungen der Jüdischen
Mythologie wie auch in der griechischen, bretonischen oder romanischen
Mythologie. Diese Vorstellung hat tiefe Spuren in den folkloristischen
Traditionen hinterlassen und Theologen, Intellektuelle und Wissenschaftler
gleichermassen beeinflusst. Die Vorstellung, die wir als die
glaubwürdgiste betrachten, ist demnach die, die historisch
überliefert ist. Gills de Rais, der Bruder Joan of Arcs, zum Beispiel, der
das Blut von Kindern und jungen Menschen für seine alchemistischen Studien
benutzt hat, was letzten Endes zu einer Obsession führte, die ihn dazu
brachte, die Kehlen von nicht weniger als achthundert Menschen zu
durchschneiden. Ich will jetzt keinesfalls den Eindruck vermitteln, dass ich
das Töten Unschuldiger gut heisse. Ich will nur unterstreichen, dass,
historisch überliefert, Vampire existiert haben. Wir versuchen
aufzuzeigen, wie sich diese Menschen verändert haben und haben uns mit
unserer Kunst daher dem Studium des Vampirismus in all seinen Formen
verschrieben.
GW: In einem
unserer vorhergehenden Interviews hast du darauf hingewiesen, dass du den eher
esotherischen Weg bevorzugst, das Geheimnis der Vampire zu ergründen,
während euer Sänger Alexander sich eher den mythologischen und
historischen Studien dieses Phänomens hingibt. Denkst du, dass du
mittlerweile eine für dich akzeptable Erklärung gefunden hast? Wie
lebt man als Vampir in der Gesellschaft der 21. Jahrhunderts? Fabian: Nein, ich galube nicht, dass ich die
Wahrheit gefunden habe. Ich sehe die Dinge um mich herum nur in einem anderen
Licht und versuche jeden Tag mein Leben zu leben, ohne mir zuviel Gedanken um
die Zukunft zu machen. Ich habe sehr viel Esotherik gelesen und studiert und
nach dem Geheimnis des Geheimnis gesucht, aber ich habe wirklich Zweifel und
bin zu der Überzeugung gelangt, dass es kein Geheimnis zu lüften
gibt. Das Ganze ist nur eine Art und Weise die Macht zu erhalten, die von der
Religion verwendet wird, um die Menschen zu kontrollieren. Heutzutage in dieser
Gesellschaft zu leben ist für niemanden einfach, nicht nur für
Vampire.
GW: Ein Leben zu
führen, bei dem man sich mit esotherischen Themen auseinandersetzt,
bedeutet auch, sich mit okkulten Praktiken und Ritualen zu beschäftigen,
die auf alt überlieferten Traditionen basieren. Andrea Haugen von Hagalaz
Runedance hat sich mir gegenüber einmal dahingehend geäussert, dass
es heute manchmal sehr schwer fällt, ihre heidnischen Rituale zu
praktizieren und nach diesen, für unsere Gesellschaft, nonkonformen Regeln
zu leben. Kannst du diesen Standpunkt nachvollziehen? Fabian: Dazu musst du zunächst einmal
verstehen, dass die wirklichen heidnischen Rituale verloren sind. Wer
heutzutage die Auffassung vertritt, er würde heidnische Rituale
praktizieren, der erzählt Blödsinn, und zwar nur aus dem Grunde, um
die Leute zu beeindrucken, die diese Magazine lesen. Nichts ist von diesen
alten Traditionen überliefert. Gar nichts. Selbst wenn Gott in der
Vergangenheit mit Zauberern oder Priestern gesprochen hätte, so hätte
er irgendwann aufgehört, sich mit der menschlichen Rasse zu unterhalten.
Jetzt ist die Zeit einer neuen Weltordnung und nur sehr wenige sind in der Lage
zu begreifen, was damit gemeint ist. Nur ein paar Wenige.
GW: Du hast bereits auf die Wichtigkeit und
die Dualität der Bedeutung von Blut in einem unserer älteren
Interviews hingewiesen, dennoch frage ich mich, in welchen Zusammenhang das
Artwork und der Titel des Albums stehen? Fabian: Blut ist immer der Träger des
Lebens. Das ist eine unabänderliche Tatsache. Blut ist unsere Energie,
eine wirklich sehr kraftvolle Flüssigkeit. Das Artwork ist daher sehr
symbolisch, wobei ich vor allem den Kontrast zwischen dem Blut und der weissen
Umgebung drum herum sehr mag.
GW:
Du hast dich einmal dahingehend geäussert, dass viele
Menschen bereits wie wandelnde Tote auf der Erde herumlaufen, ohne sich
Gedanken über das zu machen, was sie nach dem Tode erwarten wird. Was
denkst du wird uns erwarten? Fabian:
Ich bin nur ein Musiker und kann dir daher natürlich keine
Auskunft darüber geben. Ich hasse es aber, wenn Menschen meinen, sie
würden den Sinn des Lebens kennen. Vielleicht gibt es ja überhaupt
keinen Sinn. Vielleicht folgt einfach nur Chaos auf Chaos. Vielleicht ist der
Tod aber auch einfach nur das Ende. Vielleicht
wer weiss das schon.
GW: Die Kritik an der Kirche,
die Theatres des Vampires äussern, ist offensichtlich und basiert in der
Hauptsache auf dem Missbrauch einiger weniger, mit dem Ziel, ausschliesslich
ihre Macht zu sichern und ihre Ziele und Ideale zu verfolgen. Allerdings frage
ich mich, ob der Glaube und die Religion ausserhalb dieser starren
Organisationsformen und jeglicher Doktrin eine für dich akzeptable Form
des Glaubens darstellt? Fabian: Ich
glaube, dass jeder frei ist in der Wahl, an das zu glauben und das vorzuziehen,
was er mag. Ich habe keine Einwände gegen die ursprünglichen Ideen
der christlichen Kirchen, im Gegenteil. Ich wende mich nur dann gegen diese
Kirche und all ihre Glaubensabspaltungen, wenn die Religion als Waffe und als
Diktat benutzt wird, um die Menschen in ihrer Glaubensfreiheit zu beeinflussen.
In Italien hat die christliche Kirche einen direkten Einfluss auf die
Regierung, was ich unglaublich finde und mein Leben hier beinahe
unerträglich macht. Ich hasse das Chrstentum nicht für sein Konzept;
ich hasse Religion als Instrument der Macht und der Kontrolle.
GW: Italien besitzt eine lange Tradition im
Hinblick auf Bands und Musiker mit okkulten Hintergründen. Death SS, Paul
Chain, Devil Doll oder Opera IX sind nur einige von ihnen. Siehst du
Übereinstimmungen zwischen diesen Bands und Theatres des
Vampires? Fabian: Es gibt keine
Gemeinsamkeiten. Die Bands, die du erwähnst, sind mit Ausnahme von Opera
IX rein auf Italien begrenzt und haben sich einer Musik verschrieben, die ich
als nicht europäischen Ursprungs bezeichnen würde. Paul Chain spielt
Doom und Death SS eine Art von Power Metal. Wir denken, und viele Magazine
geben uns da recht, dass wir die führende Band im Berecih des extremen
Gothic Metal in Europa sind. Selbst einige amerikanische Magazine sprechen von
Theatres des Vampires als Referenz, um andere Bands und ihre Musik zu
beschreiben. Es gibt keinen Zweifel, dass wir eine der ersten europäischen
Bands waren, die sich dieser Form des Gothic Metal verschrieben haben, doch um
das zu verstehen, sollte ich vielleicht etwas über die Geschichte der Band
erzählen. Alexander Lord Vampyr und Robert Morgoth haben 1989 in einer
Band namens Sepolcrum, einer der ersten Black Gothic Metal- und Kult-Bands der
italienischen Underground-Szene, gespielt, die zwei Demos veröffentlicht
hat. 1992 haben sie Sepolcrum aufgelöst und VII Arcano gegründet,
eine Gothic Metal-Band mit Doom-Einflüssen. 1993 haben sie eine 7"
veröffentlicht, "Gather My Blood Forever", eine der ersten
hundertprozentigen Vampirveröffentlichungen in der Geschichte des Metal.
Auf dieser Single wurde der Einfluss von Lord Vampyr auf die Kompositionen und
der thematische Bezug zum Vampirismus offensichtlich, so dass er 1994 Theatres
des Vampires gegründet und VII Arcano verlassen hat, die sich daraufhin
dem schwedischen Death Metal zugewendet haben. Zu Beginn waren Theatres des
Vampires eine perfekte Mischung aus Black und Gothic Metal und als ich 1997
eingestiegen bin, haben wir meine Erfahrungen aus der Gothic-Szene, die ich mit
Witches´ Rune in Rom in der Zeit von 1990 bis 1996 gemacht habe, mit dem
Metal-Stil von Theatres des Vampires vermischt, so dass sich Theatres des
Vampires in eine noch gothicorientiertere Richtung entwickelt haben. Robert
Morgoth ist nun auch wieder bei Theatres des Vampires, so dass sich der Kreis
hier wieder geschlossen hat. Die Entwicklung der Band ist also sehr
unterschiedlich verlaufen und sehr mit der Gothic-Szene verbunden, wenn auch in
einer sehr extremen Form. Wenn man all diese Namensänderungen mal ausser
acht lässt, dann haben wir 1989 mit dieser Musik begonnen und ich kann mit
Fug und Recht behaupten, dass wir eine der ersten extremen Gothic Metal-Bands
der Geschichte waren. Wie dem auch sei, 2004. zum zehnjährigen Bestehen
der Band, werden wir ein Album veröffentlichen, auf dem sich Tracks von
1989 bis heute befinden werden. Zwei Stücke von Sepolcrum aus den Jahren
1991 und 1992, zwei Tracks der 7" von VII Arcano, drei Stücke vom 95er
Demo von Theatres des Vampires, zwei Songs von Witches´ Rune aus dem Jahr
1995 und diverse andere Raritäten von Theatres des Vampires.
GW: Was denkst du über Bands wie Notre
Dame oder Cradle of Filth, die sich ein ähnlich vampireskes Image gegeben
haben? Fabian: Ich mag Notre Dame
und ihr Image, zumal sie sehr gute Musiker sind. Was ich nicht mag sind
Vergleiche und Aussagen dergestalt, wir würden Notre Dame kopieren. Viele
Leute wissen einfach nicht, dass wir bereits sechs oder sieben Jahre vor Notre
Dame mit dieser Musik begonnen haben. Theatres des Vampires sind ausserdem ein
eingetragenes Warenzeichen unseres Sängers und nicht das von Notre Dame,
was ich fälschlicher Weise auch schon gelesen habe. Was Cradle of Filth
angeht, so sind wir mit Gian Pyras, der die Band ja mittlerweile verlassen hat,
befreundet. Sie leben in unmittelbarer Nähe unseres Managers Tim Fraser,
der auch für Christian Death, Killing Miranda oder Extreme Noise Terror
verantwortlich ist, und so treffen wir die Band manchmal, wenn wir unseren
Manager in England besuchen. Daher möchte ich mir auch kein Urteil
über die Band erlauben. Vor allem Gian hat uns sehr geholfen, einen
Vertrag mit Plastic Head zu bekommen. Dani ist ausserdem ein guter Freund Tim
und es ist durchaus möglich, dass er uns in Zukunft auch mal produzieren
wird.
GW: Wieviel von
dem, was Theatres des Vampires live auf der Bühne zum Ausdruck bringen ist
Show und wieviel davon würdest du als eine Art Ritual betrachten? Was
entgegnest du Kritikern, die der Band vorwerfen, die beiden Sängerinnen
nur als Sexsymbole und zur Befriedigung voyeuristischer S/M-Neigungen mit auf
der Bühne zu haben? Fabian: Es
gibt keine direkte Verbindung zur S/M-Szene. Wir benutzen ein paar
voyeuristische Elemente und die Kleidung dieser Szene, aber das ist die einzige
Verbindung. Wer uns unterstellt, nur aus voyeuristischen Gründen eine Frau
in der Band zu haben, verkennt eines: Scarlet ist, nachdem Justine die Band
verlassen hat, die Sängerin der Band, die über fantastische
Gesangsfähigkeiten verfügt. Scarlet und ihr Gesang sind ein wichtiger
Bestandteil unserer Vorstellung von Musik. Ich denke, solch eine Meinung
resultiert aus der Tatsache, dass der Entsprechende uns noch nicht live gesehen
oder eines unserer Alben gehört hat. Wenn Scarlets Auftreten auf der
Bühne sexuelle Elemente enthält, dann nur aus dem Grunde, dass sie
dadurch ihre Form der Kunst zum Ausdruck bringt. Man wird Scarlet aber niemals
nackt sehen. Sie ist ein vollwertiges Bandmitglied und wir erwarten, dass ihr
mit dem gleichen Respekt begegnet wird, wie dem Rest der Band.
GW: Es war bereits zur Veröffentlichung
des letzten Albums einmal im Gespräch, dass Theatres des Vampires auch
nach Deutschland kommen würden, um diverse Shows zu spielen, was letztlich
dann leider doch nicht stattfand. Wir müssen hoffentlich, nicht wie im
Falle von Death SS, fünfzehn Jahre darauf warten, dass wir euch hier in
Deutschland begrüssen dürfen. Fabian:
Nun, ich hoffe, dass das nächste Jahr dies ändern wird.
Wir haben einen neuen Promoter in Deutschland und wir werden von Tag zu Tag
auch in Deutschland populärer. Deutschland ist, neben England und
natürlich Italien, einer der besseren Märkte für uns. All die
grossen Magazine wie "Orkus" oder "Sonic Seducer" berichten nur positiv
über uns und geben uns die Möglichkeit für Interviews und
Anzeigenschaltungen. Daher denke ich, dass die Chance Anfang nächsten
Jahres auch nach Deutschland zu kommen nun sehr viel grösser geworden
ist.
Michael Kuhlen (OBLIVEON) für
GOTHICWORLD
Review zu
"Suicide Vampire" www.theatres-des-vampires.com
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