Live-Review:


THE LAST DANCE / THE CASCADES
02.10. Haus Spilles, Düsseldorf

Manchmal ist kleiner wirklich feiner.
Wo sich bei gehypten Superkonzerten oft tausende Besucher und Musiker gemeinsam langweilen, kann ein Gig in einem so kleinen Rahmen wie das Haus Spilles in Düsseldorf durchaus für mehr Stimmung sorgen. Das selbstverwaltete Jugendhaus, in der Nähe des Benrather Schlosses weit im Süden der NRW Landeshauptstadt, bietet regelmäßig Veranstaltungen nicht nur für die "schwarze Szene".


The CascadesAm Mittwoch vor dem unseligen Tag der Deutschen Einheit, versammelten sich vielleicht so um die 50 Leute um in diesen Räumen zwei Bands zu lauschen, die nicht gerade zu den absoluten Stars der "Szene" gehören. Etwas skeptisch betrachtete man denn auch die Räumlichkeiten, die eher einem kleinen Cafè ähnelten, wenn auch eine überraschend große Bühne für diese Verhältnisse bot, insgesamt aber nicht viel größer als meine Wohnung sind. Ok das ist übertrieben!
Auch wenn der Veranstalter und die beiden Bands wohl eher die gerade so Platz findende Menge von einhundert Besuchern erwartet hatten um ein wenig Geld zu verdienen, der allgemeinen Stimmung tat es keinen Abbruch. Im Gegenteil! Einmal mehr hatte man den Eindruck das es sich lohnt, in einem eher kleineren Rahmen zu spielen, dafür aber zu wissen, das die Leute wirklich wegen den auftretenden Bands das sind.

The CascadesNach dem das "Fortuna imperatrix mundi" aus der CARMINA BURANA, die Leute aus ihren Biergesprächen und von der Theke wegriss, begannen THE CASCADES ihren Gig. Verblüffend, mit welcher Energie, welchem Spass und Charisma die vier Jungs ihre Mischung aus harter Gitarre, Keyboards, treibenden Drums und tiefem Gesang vor den wenigen Gästen darboten.
Dies war GothicRock vom feinsten den man schon fast als OldShool bezeichnen möchte. Klarer Gesang, straighte Riffs, schöne Keyboards, ganz in der Tradition guter alter SISTERS OF MERCY Sachen, ohne auch nur einmal wie eine Kopie zu klingen. Überraschender Höhepunkt mit Sicherheit, das fast schon mittelalterlich anmutende (Und das bei dieser Besetzung!) vertonte "Hexeneinmaleins" und die fulminante Goth-Coverversion des New Order Überfliegers "Blue Monday". Ihr Einsatz wurde auch dementsprechend frenetisch belohnt.

The Last DanceNur kurze Zeit danach betraten die Amerikaner THE LAST DANCE die Bretter. Und hier wurde die Überraschung noch größer. Vielleicht ist es eine amerikanische Eigenart, dass man in einem Land aufgewachsen, dass Entertainment bis zur Perfektion betreibt, einfach lernt sich etwas Besonderes einfallen zu lassen. Ähnlich den CRÜXSHADOWS turnte auch der Sänger von THE LAST DANCE über die Bühne, durch das Publikum, wenn auch nicht ganz so wild.
Sind THE LAST DANCE auf ihren CD's vielleicht eher poppig, so boten sie auf der Bühne eine schweißtreibend, rockige Show, durchwoben mit etlichen Danceelementen, an der sich so manch andere "Szenegröße" durchaus eine Scheibe abschneiden könnte.

The Last DanceAngetrieben durch das Drum des gleich sitzengebliebenen Schlagzeugers der CASCADES, der den traurigerweise im August gestorbenen Drummer "Lucky" Ivan von THE LAST DANCE ersetzt um die Tour weiter zu führen, gaben die Amies einen guten Eindruck von dem was, tanzorientierter und doch energiegeladener Gothicrock sein kann. Das man auch für nur ein paar Leute eine exzellente Show abliefern kann und so auch ein entsprechendes Feedback bekommt. Der Sänger war gut gelaunt, unterhielt mit witzigen Einlagen, glitt durch den Raum, während der Rest die perfekt arrangierten Songs vorwärtstrieben.

The Last DanceInsgesamt also, ein kleiner aber sehr feiner Abend, in dem Wenige, dankbar und frenetisch den wundervollen Einsatz von guten und vor allem gutgelaunten Musikern honorierten und einmal mehr die Sehnsucht weckte, doch öfter mal wieder im kleineren Rahmen ein paar Konzerte zu erleben. Auch wenn beide Bands einen größeren verdient hätten. Gut genug sind sie um ihre CD's massenhaft zu verkaufen. Wenn dann vielleicht auch wieder die Konzerte zwar quantitativ, aber nicht unbedingt qualitativ gesteigert werden. Denn wie gesagt, manchmal aber nur manchmal ist kleiner eben feiner.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos aus dem Archiv.