Live-Review:


DESDEMONA
02.11. MS Stubnitz, Rostock

Letzten Samstag hatte das Warten endlich ein Ende:
Die MS Stubnitz war von ihrer Rundtour durch die Nord- und Ostsee zurückgekehrt und es war mal wieder Zeit für eine Geisterschiff-Party. Und wer je eine der berühmten Partys auf dem Motorschiff besucht hat, der wünscht sich jede Woche dort sein zu können.


Es lässt sich wohl nirgends eine bessere Atmosphäre für eine Gothic-Party finden als in einem alten Frachtschiff, mit all seinen Stahlrohren und -verstrebungen, sowie den verwinkelten Gängen. Der Disco-Bereich teilt sich insgesamt in 3 Räume auf: Der ehemalige Kühlraum, der zur Konzerthalle und während der Geisterschiff-Party zur Electro- und Industrial-Area umfunktioniert wurde, das Vorderschiff mit großer Tanzfläche für die Gothic- und Dark-Wave-Interessierten und zu guter letzt die "Chill-Area", die mit Tischen und Stühlen ausgestattet ist. Und da die Stubnitz-Crew für Experimente vor allem musikalischer Art immer sehr gerne zu haben sind, durfte der Besucher auf die 2-Mann-Industrial-Band DESDEMONA gespannt sein.

Gegen 0.30 Uhr war es dann soweit und das Publikum hatte sich weitesgehend im Kühlraum eingefunden. Und was jetzt passierte war eine 1 ½ -stündige Reizüberflutung sämtlicher Sinne. Neben den grellen Lichteffekten, die einen jeden Epileptiker umgebracht hätten, und bei mir nach einiger Zeit eine Flut aus Tausenden von leuchtenden Punkten in meinem Gesichtsfeld erzeugten, gab's gewaltig was auf die Ohren.
Das musikalische Grundgerüst kam zwar von CD, aber dafür gaben sich die beiden Musiker auf der Bühne größte Mühe ihren Teil zum Gesamtergebnis beizutragen: Angefangen damit Steine gegeneinander zu schlagen und mit Hämmern auf Stahlplatten und gigantische Metallfedern einzuprügeln, bis hin zu Bohrarbeiten auf einer E-Gitarre und Zersägen von Metallteilen mit einem Trennschleifer. Die Bühne erinnerte mehr an einen Heimwerkermarkt oder an eine Baustelle als an einen Ort für Konzerte, aber die Devise der Band scheint anscheinend ja auch zu sein: Hauptsache Krach! Untermalt wurde das ganze durch die mittels Sprechgesang vorgetragenen Texte, die für mich nicht unbedingt Sinn machten, sich aber hervorragend ins Konzept von DESDEMONA einreihten.

Defintiv keine Musik für zu Hause zum Relaxen, aber in der richtigen Lautstärke und mit der richtigen Atmosphäre auf jeden Fall ein "sinnliches" Erlebnis.


BlackTear für GOTHICWORLD