CD-REVIEWS:

Drittgeschlecht    ERBLAST: "Drittgeschlecht"
CD (Erbgut)

ErblastNun ist sie also da! Die Neue. Die mittlerweile fünfte Scheibe des Projekts von Oswald, Juli und Tim auch ERBLAST genannt.
Eine komplexe sehr tiefgehende CD, die tanzbare Elemente, mit gelegentlichen Bombasteinlagen, fast ethno-artigen Samples, ebenso wie experimentellen teils industriallastigen Eskapaden verbindet.

Manchmal klingen sie wie die EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN zu "Drawings Of OT" Zeiten, so düster, so unheimlich, so atmosphärisch dicht. ("Horizont") Dann wieder verspielt und ruhig, fast sanft, märchenhaft mit Akustikgitarre ("Lichtprinzessin") oder sogar sehr tanzorientiert ("An einem Tag"/"In einer Nacht"). Wobei sie gerade bei zweiterer Version schon fast an alte, sehr alte SOFT CELL Nummern erinnern. (Aus deren eher düsterer und depressiver Phase so um 1983-84!) Auch so dunkel und schwebend wie die nächtliche Fahrt in einem offenen Cadillac auf der Route 66 ("Leere") wo sie fast Soundtrackcharakter aufweisen. Mit allem was dazu gehört: Schwebender E-Gitarre al a ENNIO MORRICONE und sanft treibenden Drums.

Immer die faszinierenden Stimmen von Juli und Oswald tief in die Musik eingebunden, die Texte unterstützend und punktgenau betonend. Nichts steht im Vordergrund, alles bildet eine perfekte Einheit aus Wort und Ton. Hier wird einmal mehr deutlich, das anspruchsvolle, intelligente Texte durchaus hörbar, ja fast Massenkompatibel umsetzbar sind.

"Drittgeschlecht" bietet dem Hörer genau zwei Alternativen auf.
Man kann sich in einen dunklen Raum setzen und den komplexen Soundlandschaften lauschen, sich der charismatischen Rezitation Oswald Henkes und Juliane von Skeksis hingeben, versuchen ohne Studium des Booklets, die Texte nach zu vollziehen. Für sich selbst zu interpretieren und erfahrbar zu machen. Dann gewinnt diese CD fast den Charakter eines Hörspiels, eines Features, eines Films?... Man kann aber auch "nur" den verwirrenden und gleichsam faszinierenden Klängen lauschen, sich dem Rhythmus hingeben und einfach nur tanzen. Den Anspruch den Oswald in unserem Interview geäußert hat, "die Tanzflächen intellektuell zu unterwandern" haben ERBLAST voll erfüllt. Und nicht nur den.

ErblastDiese CD bietet auffällige Merkmale, Akzente, die sich schon beim ersten Hören in die Hirnwindungen schrauben, Ohrwurmähnlich drin bleiben und die Beine schütteln. Genauso wie sie allerlei Spielereien und Experimente aufweist, die sich dem aufmerksamen Hörer erst nach dem sechsten oder siebten Hören erschließen. Insgesamt ein sehr pathetisches, düsteres und teilweise kompliziertes Album, das aber seltsamerweise trotzdem sehr leicht und verständlich daher kommt.

"Drittgeschlecht" ist wie ein fulminanter Ausblick in eine mögliche Zukunft, der die Hoffnung nicht verlieren lässt, das es in dem "Land der Dichter und Denker" immer noch möglich ist, anspruchsvolle Unterhaltung zu produzieren, ohne die gerade in Deutschland so beliebte Trennung zwischen Entertainment und geistiger Überfrachtung zu zelebrieren.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD


"Drittgeschlecht":

01 - pure aggression
02 - an einem tag
03 - drittgeschlecht
04 - kelch der wahrheit
05 - frei von narben
06 - XIII
07 - lichtprinzessin (wahrheit teil V)
08 - dir wird bewusst
09 - leere
10 - treibsand
11 - in einer nacht
12 - frei von narben (nachspiel)
13 - horizont
14 - wiegenlied
     Kontakt:

www.erblast.de

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