interview:

KARI
"... Licht am Ende des Tunnels."

Das bereits dritte Solo-Album der ehemaligen THE THIRD AND THE MORTAL-Sängerin Kari Rueslatten steht, dank der Zusammenarbeit mit Prophecy Productions ab dem 25.11. auch hierzulande in den Plattenläden. Grund genug für uns ein Ferngespräch nach Norwegen mit der charismatischen Ausnahmesängerin zu führen.


Kari RueslattenGW: Hallo Kari, wie ist das Wetter in Norwegen?
Kari: Oh es ist sehr, sehr kalt hier! Und bei dir?

GW: Hier in Deutschland ist es unterschiedlich. In einigen Regionen ist es wohl so um die 5 - 6 Grad, aber hier wo ich wohne sind so um die 10 Grad.
Kari: Schön, das ist wenigstens erträglich.

GW: Ja man spart die Heizkosten! Ok. am Anfang wie immer meine Lieblingsfrage: Wann hast Du angefangen Musik zu machen?
Kari: Oh ich begann damit als ich ungefähr Sechs war! Damals habe ich einfach nur meine Stimme auf einem Kassettenrekorder aufgenommen. Aber so richtig ernsthaft begann es so als ich sechzehn war. Ich sang in einer Band die noch sehr Heavy orientiert war und nahm so meine erste Platte auf.

GW: So wie deine spätere Band THE THIRD AND THE MORTAL deren erstes Album ja heute noch als Legende gilt.
Kari: Ja, THE THIRD AND THE MORTAL waren eine Metal-Band, die aber schon so eine Art von Mischung aus Prog-Rock und Heavy-Metal machten. Mit sehr vielen Folkeinflüssen, ich glaube in erster Linie vor allem in den Lyrics. Und natürlich durch meine Stimme. Das Singen mit einer klaren Stimme.

GW: Damit ward Ihr ja auch so ziemlich die ersten, damals Anfang der 90er die Heavy-Gitarren mit einer klaren, weiblichen Stimme mixten! Nach dem du bei TTATM ausgestiegen bist, hast du ja noch ein Album mit einem anderen Metalmusiker gemacht, das aber noch mehr wie ein Folkalbum klang.
Kari: Ja, das war auch diese Folk meets Metal Schiene, aber es war mehr originaler Folkbackground, mehr traditioneller Folk.

GW: Das taucht ja seltsamerweise immer mehr auf. Das Musiker welche eigentlich eher Heavy spielen, plötzlich Folksachen machen. Ist das der Versuch zu beweisen das sie auch Anders können oder ist Heavy auf Dauer zu laut?
Kari: (lacht) Ja vielleicht. Bei mir ist es so, das ich aber auch eher mit diesen traditionellen, ursprünglichen Sachen aufgewachsen bin. Diesen intensiven Bezug zur Natur, eben diesen Folkeinflüssen. Als es dann aber darum ging Musik selber zu machen, waren es erst mal diese Metalsachen, weil es eben die Art von Musik war die ich damals selber hörte. Aber jetzt ist das irgendwie vorbei und meine Musik ist komplett anders.

GW: Womit wir dann ja auch schon bei deinem neuen Album "PILOT" gelandet sind. Dies ist aber schon deine dritte Soloplatte?
Kari: Hhhhmmm.

GW: Bei uns ist Deutschland ja die erste CD die von dir erscheint. Die beiden Anderen sollen ja wohl auch noch mehr Songwriter oder Folkmusik orientiert sein. Bei "PILOT" habe ich den Eindruck das neben den Folk- und Songwriterelementen aber auch etliche moderne, fast Trip-Hopartige Einflüsse sind. Wie MASSIVE ATTACK oder PORTISHEAD.
Kari: Naja, als ich damals TTATM verließ, wollte ich erst mal etwas komplett Anderes machen. Weg von elektrischen Gitarren, lauten Drums und dröhnenden Bass... Ich suchte nach einer Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten, Elementen. Zwar schreibe ich die Songs nicht nur, sondern programmiere auch sehr viel, aber trotzdem denke ich das "Pilot" ein sehr naturalistisches, akustisches Album geworden ist. Es hat zwar diese ganzen elektronischen Samples, aber im Gegensatz zu MASSIVE ATTACK fehlt ihm wohl der.... ich würde sagen Beat. Es ist kein Uptempowerk, mehr etwas Minimalistisches.

GW: hat aber trotzdem eine Menge Rhythmus!
Kari: Findest du?

GW: Ja! Zwar sind es sehr langsame, sehr relaxte Rhythmen. Sehr ruhig. Aber das sind auch diese sanften Rhythmen die mich an eben jene Bands erinnert haben. Die ja für Dancegeschichten auch sehr langsam sind und vor allem auch mit akustischen Instrumenten arbeiteten.
Kari: Ja es ist wohl ein ähnliches Feeling. Dieses "chilled-feeling", das ich auch sehr mag. Aber es ist auch alles sehr melancholisch, sehr traurig...

GW: Das ist dann wirklich mehr bei deiner Platte zu finden.
Kari: Und ich denke das bei mir die Melodien noch mehr im Vordergrund stehen. Und die Atmosphäre die ich versuche aufzubauen. Auch in den Lyrics, das ich versuche kleine Geschichten zu erzählen. Das man sich die Zeit nimmt dieses Album zu hören, etwas zu entspannen, aber auch darüber nachzudenken und vielleicht einiges heraus zu finden.

GW: Ich habe gelesen das du in Norwegen bei einem Majorlabel unter Vertrag bist. Das ist ja doch schon ne ziemliche Leistung, oder sind die Musikszenen so unterschiedlich von Skandinavien zu Deutschland? Ich meine hier bist du er bei einem kleineren Label. Das mit dir ja vielleicht richtig groß wird....
Kari: (lacht) Ja vielleicht. Aber bei Sony-Norway kamen auch nur die anderen beiden CD's raus. "Pilot" ist auch bei einer etwas kleineren Firma erschienen. Für mich ist eigentlich nur wichtig, das mir die Plattenfirma freie Hand läst. Ich wollte wieder mehr Independent sein. War irgendwie müde von all den Musikdirektoren und Aufnahmeleitern die genau wussten wie meine Musik zu klingen hat. Also ging ich nur mit meinem E-Piano nach London und begann an der Arbeit für "Pilot". Ich wollte alles alleine, nach ganz klaren Regeln aufnehmen. Nicht nur komponieren, auch die Arrangements usw. Dann kam ich nach Norwegen zurück um die Aufnahmen abzuschließen weil ich denke das dies hier genau der richtige Ort dafür ist. Jetzt bin ich also "independent" und habe damit aber die Kontrolle über meine Musik. So das mir keiner reinredet und ich wirklich machen kann was ich will. Meine Songs so schreiben, einspielen und einsingen kann wie ich möchte.

GW: Damit nimmst du mir ja schon fast die nächste Frage weg! Du spielst eigentlich alles alleine ein?
Kari: Nicht ganz. Es gibt schon noch Musiker mit denen ich zusammen arbeite.

GW: Aber nicht im Sinne einer Band. Eher Gastmusiker. Ich meine du schreibst die Songs, du komponierst sie und spielst sie am Ende ein? Du hast ja auch gesagt das du die Kontrolle über deine Lieder behalten willst.
Kari: Ja. Aber ich denke das ich beim nächsten Mal doch wieder noch mehr Leute involvieren werde. Das ist es ja auch was ich sehen will. Ob es möglich ist. Das Andere mit meinen Liedern etwas anfangen können. Ich brauche daher auch das Zusammenspiel mit anderen Musikern.

GW: Was ja schon wieder eine geschickte Überleitung ist. Gehst du auf die Bühne mit dem Programm?
Kari: Hier in Norwegen gab es schon einige Konzerte mit diesem Material. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Ich brauche den Kontakt, den Austausch mit dem Publikum. Live klingt das ja auch alles ganz anders, was beabsichtigt ist. Ich mag keine Musiker die auf der Bühne so klingen, das man denkt man hätte sich die CD auch zu Hause anhören können. Für mich ist es also absolut wichtig auf der Bühne zu stehen und zu sehen was die Leute mit meinen Liedern anfangen können.

GW: Es ist also auch nicht das erste Mal seit TTATM das du auf der Bühne stehst?
Kari: Nein absolut nicht! Dazu mag ich es viel zu sehr auf der Bühne vor den Leuten zu stehen und nicht immer nur am Klavier zu sitzen.

GW: Du stehst also ganz allein hinter dem Mikrophon? Das normale Bild. Eventuell noch mit einer Gitarre?
Kari: Ja! Ich und die Musiker. Aber ohne Gitarre. Ich kann nicht Gitarre spielen.

GW: Ich dachte ich hätte gelesen das du auch Gitarre spielst.
Kari: Ja auf der Cd, im Studio. Aber nicht live. Da stehe ich ganz allein in der Mitte mit dem Mikrophon.

GW: Also nicht wie zum Beispiel TORI AMIS die auch live hinter dem Klavier sitzt?
Kari: Nein! Obwohl das schon ein besserer Vergleich ist. Ich mag TORI sehr. Aber das Klavier übernimmt ein Keyboarder. Ich mag es einfach viel zu sehr von Angesicht zu Angesicht vor dem Publikum zu stehen. Und nicht noch das Klavier dazwischen zu haben.

GW: Das wäre aber vielleicht einfacher. Manche verstecken sich ja auch ein bisschen hinter ihren Instrumenten.
Kari: Ja das ist wahr. Manche brauchen das wirklich. Aber ich nicht! Ich muss mich nicht verstecken. (lacht)

GW: Werden wir dich dann auch irgendwann hier in Deutschland sehen?
Kari: Das wäre schön. Aber es gibt keine konkreten Termine. Leider. Ich würde sehr gerne in Deutschland spielen.

GW: Ok. Dann können wir nur hoffen das deine CD so gut ankommt, das dich irgendeine Promotionfirma unter Vertrag nimmt und nach Deutschland bringt. Zum Schluss noch eine ganz kurze Sache zu deinen Lyrics. Ich mag es ja nicht so sehr mit dem Künstler die Texte Stück für Stück auseinander zu nehmen. Eigentlich soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen und die Sachen nicht vom Autor erklärt bekommen. Kari RueslattenAber bei dem letzten Song deines Albums "Butterflymilk" musste ich an eine Art Aphorisma denken. "Nur wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken schmecken." Ich weiß nicht von wem es ist. Was also ist "Schmetterlingsmilch"?
Kari: Das klingt sehr schön. Aber ich kenne dieses Gedicht nicht. Nein, "Butterflymilk" steht mehr für das Licht am Ende des Tunnels.

GW: Also nicht irgendeine weitere unsinnige, kosmetische Substanz welche die Haut glättet?
Kari: (lacht) Nein! Es ist mehr ein Gefühl. Das trotz aller Trauer und Melancholie am Ende alles wieder gut wird.

GW: Das ist ja auch ein gutes Schlusswort. Damit bleibt mir nur mich für das Interview zu bedanken und zu hoffen das wir dich bald hier live sehen können.
Kari: Ich danke dir und vielleicht sehen wir uns ja wirklich irgendwann einmal.


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD



Review zu "Pilot"
www.prophecy.cd