CD-REVIEWS:
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LACRIMOSA:
"Durch Nacht Und Flut" CDS (Hall Of Sermon)
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"DURCH NACHT UND FLUT" - ZU NEUEN UFERN
Die Geschichte von
LACRIMOSA ist die Geschichte einer stetigen, konsequenten
Weiterentwicklung - inhaltlich wie musikalisch. Ebenso wie sich Tilo Wolff von
einem überaus düsteren Gruftie zu einem eleganten Gothen
veränderte, so steigerte sich die Musik (vermutlich zu großen Teilen
als Selbstreflektion des Künstlers) von minimalistischer, eindrucksvoller
Verarbeitung inneren Schmerzes ("Seele in Not", "Requiem") zu
einem musikgewaltigen, imposanten (aber nicht weniger eindrucksvollen) neuem
Weg des Lebens ("Nichts bewegt sich", "Fassade").
Schon
wenn man das Cover der neuen Single "Durch Nacht und Flut" betrachtet
weiß man, das nun ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung begonnen
hat. Erstmals ist ein LACRIMOSA Cover in Farbe (abgesehen vom
"Clamor" Tape) und erstmals seit "Schakal" ist es ein Photo - und
ein wunderschönes dazu. (Geplant war übrigens wieder ein gemaltes
Cover, doch aufgrund der Qualität der neuen Photos hat man sich dagegen
entschieden - und es scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein).
Es ist schon ein interessanter Weg der sich abzeichnet, betrachtet man
nur die Booklets der LACRIMOSA Veröffentlichungen: Vom
düsteren schwarz zum reinen Weiß der "Elodia" - ein
vielleicht zu großer Sprung, denn mit "Fassade" ging man
zurück in die Grautöne (und auch inhaltlich war "Fassade" um
einiges düsterer als die euphorische "Elodia"). Man darf auf das
Booklet und Cover des kommenden Album "Echoes" also gespannt sein.
Die Single enthält 4 Tracks, zuerst wie üblich zwei Versionen
des Titelsongs (die Album Version und eine speziell für die Single).
"Durch Nacht und Flut" ist der einzige neue Song, denn die weiteren
beiden Tracks sind "Raritäten" - Songs, von deren Existenz der Fan zwar
weiß, an die aber nur schwer heranzukommen ist: Zum einen ist das der
Bonustrack der japanischen "Elodia" Version, "Und du du
fällst", und zum anderen "Komet", ein Remix von der Band SECRET
DISCOVERY von "Ich bin der brennende Komet" - ein Geschenk an die treuen
Fans.
"Durch Nacht und Flut" halte ich inhaltlich für
weitaus komplexer als die meisten bisherigen Songs, fast wie ein Gedicht liest
sich der tiefgründige Text. Bei der musikalischen Umsetzung wird
bewußt, daß LACRIMOSA während der letzten Jahren doch
einiges an Härte und düsterem Touch verloren haben (was ich
persönlich sehr bedauere). Die Aufbruchsstimmung, die schon in "Der
Morgen danach" deutlich zu spüren war, bestimmt hier die Musik; fast
schon euphorisch wirkt der Song. Ebenso wie teilweise beim letzten Album
"Fassade" ist der Bezug der Musik zum inhaltlichen Kontext nicht
unbedingt einfach zugänglich, denn beim ersten Hören wirkt der Song,
besonders durch die Eingängigkeit (vor allem des Refrains), doch irgendwie
gemäßigt (allerdings nur musikalisch).
Um einen Bezug zum
Cover herzustellen: Musik der schwarzen Szene in Farbe. Vielleicht liegt dieser
Eindruck an der sehr dynamischen Single Version des Songs, die eindeutig darauf
ausgelegt ist, tanzbar zu sein und nicht nur den LACRIMOSA Fan
anzusprechen.
Die sehr schöne Album Version ist deutlich
differentierter und intensiver (und daher auch knapp zwei Minuten länger)
- eindeutig die von mir favorisierte Fassung. Interessanterweise war es bei der
letzten Single "Der Morgen danach" genau anders herum, denn dort gefiel
mir die härterer Single Version besser. Hier ist die Single Fassung zwar
unbestritten härter, doch irgendwie vermisst man in dieser Härte ein
wenig den agressive Touch, der in der Härte früherer Songs zu finden
war. Diesen Song als Übergang zwischen zwei Alben zu werten, wie man es
sonst konnte, funktioniert nicht - denn "Fassade" war ein in sich
geschlossenes Album. Eher betrachte ich diesen Song als Symbiose beider Alben -
in "Elodia" dominierten die klassischen Einflüsse ("Am Ende der
Stille", "Sanctus"), "Fassade" stellte die härteren Töne
wieder in den Vordergrund (Liebespiel, Fassade 1./3. Satz). "Durch Nacht und
Flut" stellt eine nahezu perfekte Kombination beider Stile dar, also eine
konsequente Weiterentwicklung.
Besonders zu bemerken ist noch,
daß Tilo gesanglich immer mehr zu begeistern weiß. "Und du
fällst" - schon beim Hören der ersten beiden Tracks fiel mir eine
gewisse musikalische Verwandtschaft zu diesem Song auf, der aus dem Jahre 1999
stammt und erkennbar den "Elodia" Touch hat.
Er lebt musikalisch vom Wechselspiel zwischen sanft und agressiv
lebt, inhaltlich "Elodia" ergänzend (aber kritischer und
agressiver), man kann ihn zwischen "Elodia" und "Fassade"
einzuordnen - ein schöner Song.
"Komet", der letzte Track,
ist ein Remix, und zwar ein sehr gutes (das beste bisher veröffentlichte).
Hier kann man sehen, wie faszinierend die von mir vermißte Härte
sein kann, ich mag dieses Remix sehr (wobei sich SECRET DISCOVERY auch einer
der besten LACRIMOSA Songs ausgesucht haben, also konnte es fast nicht
schiefgehen).
Mit nur einem neuen Song, der zudem in zwei qualitativ
sehr unterschiedlichen Versionen vorliegt, kann man über das kommende
Album nur schwerlich spekulieren. Dennoch darf man mit Sicherheit gespannt
sein, in welche Richtung sich LACRIMOSA weiter entwickeln wird - ich bin
es auf jeden Fall.
JACK
für GOTHICWORLD
"Durch Nacht Und
Flut":
01 - Durch Nacht Und Flut (single version) 02 - Durch
Nacht Und Flut (album version) 03 - Und Du Fällst 04 - Komet (Secret
Discovery remix)
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Kontakt:
www.lacrimosa.de |
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