Live-Review:


CHAMBER, PILORI, MATT HOWDEN
"soirée obscure"
13.12.2002 Kulturruine, Karlsruhe

ChamberCHAMBER, oder für die intellektuellen Sprachkünstler unter euch: L'Orchestre de Chambre Noir; hatten zur Soirée Obscure geladen. Zweimal.
Einmal in Frankfurt/Batschkapp und am Tage danach in die heiligen Hallen von Umbra Et Imago nach Karlsruhe.


PiloriEine Soiree bedeutet im klassischen Sinne, Rotwein schlürfen, leise gepflegte Unterhaltungen, in Kissen gelehnt zu leichter Musik...

Leider war die Anreise nach Karlsruhe für mich mit weitaus größeren Schwierigkeiten verbunden als geplant, so dass ich PILORI und SIEBEN nicht mehr erleben durfte. Auch kann von in Kissen lümmeln, in den kargen Kellergewölben von Mozarts Tempel nicht die Rede sein, da man hier einfach stehen muss. Es sei denn man setzt sich in das kleine Café. Was ich, um mich erst einmal zu aklimatisieren auch tat.

Bei einem gepflegten Bier bzw. Rotwein, ergab sich eine kurzweilige Konversation mit Lutz (UMBRA ET IMAGO) und Max, dem Kopf von CHAMBER. Hierbei erfuhr ich zumindest, dass PILORI leider vor einem recht undankbaren, weil laut schwatzenden Publikum spielten, während MATT HOWDEN (SIEBEN) alleine mit seiner Violine, zumindest die anwesenden Musiker so zu begeistern wusste, das Max erklärte er würde ihn auf die nächste Tournee mitnehmen wollen. Nach dem dritten Versuch, sein Lampenfieber zu beseitigen und sich mittels Rotwein auf das Konzert vorzubereiten, verschwand Max dann hinter der Bühne, um gegen 22:30 mit dem gesamten Schwarzen Kammerorchester, dieselbe wieder zu betreten.

PiloriNun ist zu sagen, das die rauhe, etwas trübe Kelleratmosphäre des Karlsruher Gewölbes, trotz fehlender Bestuhlung, eine durchaus reizvolle Stimmung für ein Kammerkonzert bot. Wie gewohnt, zelebrierten CHAMBER ihre barock-neofolk-artigen Klangkunstwerke, in vollendeter Schönheit, Zerbrechlichkeit und Wucht, wie man es von ihnen schon fast erwartet hatte. Leicht erhöht thronten sie über dem nicht gerade zahlreichen Publikum, zumindest war aber zu spüren, das jeder Einzelne wegen CHAMBER anwesend war. Max musste seinen Rotwein aus einem Plastikbecher trinken, was ein leichter Stilbruch war, seinem Können als charmanter Confroncier mit Wiener Akzent und perfekter Livemusiker aber keinen Abbruch tat.

Präsentiert wurden Stücke des alten Albums, zusammen mit einem Teil ihrer kongenialen Coverversionen und ein paar Schmankerln des im nächsten Jahres zu erwartenden neuen Outputs. Die Musiker verbreiteten gute Laune und Spielfreude, die sich schnell auf das Publikum übertrug und so wieder einmal aus einem klassischen Konzert ein einmaliges fast schweißtreibendes, oder zumindest Gänsehaut erzeugendes Erlebnis machten.
Meiner Meinung nach haben sie ihren eigenen Anspruch längst erfüllt: Aus schöner, klassischer Musik, eine dunkle Brutalität zu erzeugen wie einst die SWANS. Es ist immer wieder ein Erlebnis dieser Band live zuzuhören und zu schauen. Das ist Musik in Reinkultur, anspruchsvoll, unterhaltsam, schön, sperrig, intelligent, bewegend...

Nach dem Konzert ergab sich für mich dann noch die lang geplante Gelegenheit, mit den Jungs und Mädels aller Musiker ein Schwätzchen zu führen. Den Rotwein mit Max zu schlürfen, was nicht unbedingt die Klasse eines Interviews hatte, aber doch einige vielversprechend Ausblicke in die Zukunft von CHAMBER ergab.
Max erzählte von seinen Zeiten bei THE WEDDING ANNIVERSARY als es noch 3000 DM Gage am Abend gab, während CHAMBER heutzutage eher für eine Art Aufwandsentschädigung spielen. Das er trotz alledem mit diesem Projekt versucht, diesen alten Status noch einmal zu erreichen. Vor allem schwebten wir als "alte Säcke" voller Glückseligkeit in unseren parallelen Jugenderinnerungen, wo uns wie sich rausstellte, die selben Bands geprägt hatten. Eben die schon oft erwähnten THE SWANS genauso wie die virtuosen TUXEDOMOON oder LEGENDARY PINK DOTS. Bands die es wie CHAMBER heute, einst schafften, intellektuelle Avantgarde und virtuose Kompositionstechniken, zu einmaligen Klanggebilden herauf zu beschwören.
Für das nächste Jahr, ist wie schon oben erwähnt, eine weitere CD geplant, für deren Präsentation sich CHAMBER wieder einige exklusive Örtlichkeiten vorstellen. (Nur soviel es geht auch um ein Schloss!). Eine so einmalige und gleichsam einzigartige Aufführung wie im Sommer in Frankfurt, mit all den Freunden und Gästen, wird es wohl so schnell nicht wieder geben.

Neben dem Schwatz mit Max, gab es noch eine kurze Konversation mit Matt Howden, der mir auf Grund der Tatsache, dass ich ihm sagen musste, seinen Auftritt leider nicht gesehen zu haben, seine aktuelle SIEBEN CD schenkte. Leider wurde sie für die Gothicworld ja schon besprochen, so das ich mich nicht erkenntlich zeigen konnte. Das ich mich bei Mozart (UMBRA ET IMAGO) "entschuldigen" musste, dafür das "nur" ich und nicht unser Webmaster Ritchie da war, war auch nicht so ernst zu nehmen.

Insgesamt war es ein wundervoller Abend, zwischen sehr netten Menschen, mit genialer Musik, dem richtigen Maß an alkoholischen Getränken und gepflegter Konversation in einer wunderbaren Atmosphäre. Spät, müde aber glücklich trat ich den Heimweg an, immer die eine Textzeile im Ohr die mich auch die nächsten Tage begleiten sollte... (Was aber nicht hierhin gehört und auch nicht vorher zu sehen war.) "Maybe first we die and then forget... "


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos aus dem Archiv

Zum Review zu "L'Orchestre De Chambre Noir"