interview:
SANGUIS ET CINIS "Rock´n Roll Lifestyle
..."
Sanguis et
Cinis sind ein Reizthema. Musikalisch vor allem von den Kollegen des "Rock
Hard" geächtet und mit schöner Regelmässigkeit mit dem recht
zweifelhaften Prädikat der "Arschbombe des Monats" ausgezeichnet,
geniessen Sanguis et Cinis in der Gothic/Death Rock-Szene durchaus eine nicht
unerhebliche Popularität, die sich neben der Musik auch und vor allem auf
das äussere Erscheinungsbild der Österreicher erstreckt.
Glamorös, extrovertiert und vor allem zu Beginn der Karriere sehr
offenherzig, so dass man Sängerin Celine desöfteren barbusig und sehr
freizügig bewundern konnte. Doch diese Zeiten scheinen vorbei, denn mit
"Alright, let´s rock" geben sich Sanguis et Cinis sehr bodenständig
und sehr rockorientiert, und auch das grelle Image der Band wurde deutlich
zugunsten einer neutraleren Optik zurückgeschraubt. Dabei hat es fast den
Anschein, Sanguis et Cinis wären erwachsen geworden, um sich selbst und
den Kritikern zu beweisen, dass neben der Optik vor allem die Musik
überzeugen muss. Und das tut sie, wie auf keinem anderen Album der Band
zuvor..
GW:
Euer neues Album heißt "Alright, let´s rock" und wenn
man die Show, die ich von euch auf dem WGT letztes Jahr gesehen habe zum
Maßstab nimmt, scheint dies auch die neue Maxime Sanguis et Cinis´
zu sein, denn ihr habt euch auch imagemäßig anscheinend etwas vom
glamourösen Goth-Klischee gelöst. Warum dieser Imagewechsel? Habt
ihr, wenn ihr euch selbst einmal kritisch hinterfragt, dieses Image nicht
vielleicht auch überzogen und euren zahlreichen Kritikern genug
Angriffsfläche geboten? Eve:
Nun gut "überziehen" kann man eigentlich nur, wenn man etwas zu ernst
nimmt. Wir haben unser Outfit immer als wesentlichen Bestandteil unserer
Performance gesehen und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, nur
haben wir uns eben selbst in eine andere Richtung weiterentwickelt. Wir haben
nie versucht, visuell irgendwelchen vorhandenen Schubladen zu entsprechen.
Vielmehr wollten wir immer unsere eigene Persönlichkeit unterstreichen und
dies dann schon mal auf opulente Art und Weise in der Tradition eines Ziggy
Stardust oder Elvis Presley´s Las Vegas Show-Outfits... Natürlich
bietet man damit mehr Angriffsfläche, da man wesentlich mehr Beachtung zu
Teil wird. Das macht es einem auch schwerer, weil man doppelt so gut sein muss,
da manche Leute nur darauf aus sind, in ihrer Annahme, "es sei nichts
dahinter", bestätigt zu werden. Aber das nehmen wir nun mal in Kauf. Auch
wenn wir uns weiterentwickelt und verändert haben, bleiben wir eine
"optische Band" - Rock n Roll ist visuell!
GW:
Ging es euch vielleicht auch darum endlich als Musiker und nicht
als gestylte Kombo ohne Tiefgang und Talent, wie Ihr ja oft kritisiert worden
seid, wahrgenommen zu werden? Denkt ihr, dass euch das mit "Alright,
let´s rock!" nun endlich gelungen ist? Eve: Wir würden zwar nie auf Kompromisse
dieser Art eingehen, aber es ist in der Tat so, dass "Alright, let´s
rock!" diesmal von den Kritikern objektiv betrachtet wurde. Das positive
Feedback war erstaunlich. Wir glauben aber nicht, dass das nur mit unserem
"Imagewandel" zu tun hat, sondern vielmehr an der Tatsache liegt, dass wir uns
2 Jahre zurückgezogen haben und alle Erfahrungen, die wir gesammelt haben,
in das neue Album einfließen ließen. Außerdem sind wir das
ganze ziemlich locker angegangen. Wir haben einfach gemacht was uns Spaß
macht, ohne Rücksicht darauf, ob das den Erwartungen oder Trends oder
sonst etwas entsprach. Diese "Ehrlichkeit" äußert sich dann auch in
dem Ergebnis. Vielleicht ist ja DAS das Erfolgsgeheimnis...
GW: "Amnesia" wurde noch von
Bruno Kramm produziert, jetzt produziert ihr selber. Seid ihr mit der
Produktion und der Zusammenarbeit Brunos nicht zufrieden gewesen oder sprachen
einfach zeitliche Gründe gegen eine erneute Zusammenarbeit? Eve: Gleich vorweg - "Alright, let´s
rock!" ist das erste Album das wir selbst produziert haben! Gegen die erneute
Zusammenarbeit sprechen eigentlich hauptsächlich Faktoren wie, dass wir
uns ungern wiederholen und die Tatsache, dass wir diesmal keinem Zeitdruck
unterliegen wollten.
GW: Worin
seht Ihr die hauptsächlichen Unterschiede zwischen "Amnesia" und "Alright,
let´s rock!"? Die Deathrock-Einflüsse und die zum Teil sehr punkigen
Riffs sind ja nach wie vorhanden, nur scheint mir "Alright, let´s rock!"
erdiger produziert und weniger gothicorientiert. Eve: Die Hauptunterschiede liegen vorrangig beim
Songwriting. Immerhin hatten wir über zwei Jahre Zeit uns
weiterzuentwickeln. Wir haben diesmal auch viel mehr Einflüsse
verarbeitet. Die Palette reicht von Punk, Psychobilly, Rock n Roll und Grunge
über Glam, Blues und SKA bis hinzu NU Rock oder sogar Hip Hop. Wir wollten
uns diesmal keine Beschränkungen auferlegen und uns frei entfalten, was
natürlich auch erklärt, warum der Sound vielleicht manche
überrascht, aber wir haben nie auf eine bestimmte Zielgruppe abgestimmt
Musik gemacht.
GW: In den Texten
auf "Alright, let´s rock!" nehmt ihr nach wie vor kein Blatt vor den Mund
und rechnet in Songs wie "Hey Fuckers" schonungs- und hoffnungslos mit euren
Kritikern ab. Dennoch, denkt ihr nicht, dass gerade diese ganzen Kampagnen
gegen Sanguis et Cinis Euch zu einer gewissen Popularität verholfen haben?
All diese "Arschbomben", die Sanguis et Cinis erst bei bestimmten Leuten
bekannt gemacht haben? Es gibt ja durchaus Bands, die sich in solch einer
Märtyrerrolle sehr wohl fühlen. Eve:
Natürlich stimmt es - nur KEINE Promotion ist schlechte
Promotion, aber irgendwann verliert es an Originalität, zumal die Sachen
die uns da teilweise noch vorgeworfen wurden auf den Anfang unserer Karriere
zurückgehen. Wir haben uns nie in dieser Märtyrerrolle wohl
gefühlt. Das wäre zu einfach gewesen. Wir nehmen das auch nicht mehr
so ernst. "Hey Fuckers" ist gar nicht so sehr eine Abrechnung mit
irgendjemandem, als vielmehr eine "Message", ein Aufruf, Mut zu zeigen man
selbst zu sein! I did it myyyyyyyyyyyy way!
GW: Denkt ihr, dass viele Bands, Musiker und
Plattenfirmenvertreter innerhalb des Musicbiz sich selbst und das Business viel
zu Ernst nehmen? Ist der Spass an der Musik mittlerweile häufig abhanden
gekommen? Eve: Wir, als Band,
beschäftigen uns eigentlich so gut wie gar nicht mit dem was so
"außerhalb" passiert. Wenn jemand keinen Spaß daran hat - wozu
macht er dann Musik?!? Es kann aber schon sein, dass Plattenfirmen, Magazine,
Redakteure und dergleichen "übersättigt" sind. Das ist die logische
Konsequenz wenn etwas "boomt".
GW:
Textlich lebt ihr die ganzen Klischees, die man normalerweise mit
dem Rockstardasein verbindet, in Songs wie "Yeah Baby Yeah", "We Came From
Venus" genüsslich aus. Sehr ihr euch selbst als Rockstars? : Was macht
Einen Rockstar eurer Meinung nach aus? Eve:
Wir sehen das in gewisser Weise als "Lebensauffassung"...als
"Lifestyle". Wir machen einfach was uns in den Kram passt. Wir versuchen
eigentlich keine Texte zu schreiben, die unserem "Rockstarimage" entsprechen
oder so, sondern spiegeln nur unsere Erlebnisse und Gedanken wieder. Und wenn
man grade in einem Flugzeug von einem Gig zum anderen fliegt, oder irgendwo in
LA ein Fotoshooting hat, geht das nun mal in die Richtung.
GW: Gibt es Eurerseits Überlegungen
Sanguis et Cinis mit Hilfe einer DVD oder eines Videos auch visuell zu
präsentieren? Gerade bei einer Band wie Sanguis et Cinis, wo das visuelle
Element sehr wichtig ist, würde solch eine Veröffentlichung doch Sinn
machen. Eve: Überlegungen - JA,
konkrete Pläne - NEIN.
GW:
Wird es zu "Alright, let´s rock!" eine Tournee oder diverse
Einzelshows geben? Eve: Ja, es wird
wieder ein ausgedehnte Tour geben, die uns sicher auch wieder nach Deutschland
führen wird, nur stehen bislang noch keine genauen Termine fest.
Michael Kuhlen (OBLIVEON) für
GOTHICWORLD
www.sanguisetcinis.com
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