interview:
TEARS OF MYSTIGMA "... Wir geben nicht
auf!"
Trotz der leicht angeschlagenen Stimmung,
versuchten wir nach dem Konzert im Haus Spilles noch ein kleines Interview mit
Torsten Bäumer (Gesang) und Jörg Bäumer (Gitarren/Synths) zu
führen. Ohne groß auf die allgemeinen Probleme einzugehen...
GW: Vor zwei Jahren habt
ihr euer Debütalbum rausgebracht, jetzt eine SingleCD. Das ist ein langer
Zeitraum. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Torsten: Eigentlich hatten wir ein Album geplant.
Wir hatten auch genügend Material zusammen und waren uns mit dem Label
einig. Nur sollte man bei Verträgen, wenn man keine Ahnung hat, sich
Unterstützung von professioneller Seite holen. Wir haben den Vertrag von
einem Rechtsanwalt prüfen lassen, der ihn einfach nur als "Knebelvertrag"
bezeichnete. Darauf hin, haben wir den Vertrag mit dem Label natürlich
nicht unterschrieben. Dann haben wir uns gesagt, das wir halt die besten
Stücke von dem Album nehmen, daraus eine Maxi machen und damit gezielt bei
den Magazinen und Labels selbst promoten und zeigen dass wir noch da sind. Das
heißt also, Material für ein Album ist da, nur in welcher Form und
wann es Eins geben wird, steht noch nicht fest.
GW: Das bringt mich gleich noch dazu in die
Vergangenheit abzutauchen und die beliebteste Frage überhaupt zu stellen.
Wann und warum habt ihr angefangen Musik zu machen? Und nicht Autos zu
verkaufen? Torsten: Berechtigte
Frage eigentlich... Jörg:
Eigentlich ganz einfach. Wir haben damals einfach sehr viel Musik gehört,
heute natürlich auch noch. Damals aber noch sehr viel die ganz harten
Sachen. Death Metal und so... Irgendwann haben wir eben gesagt, wir wollen auch
mal selber was machen und so fing es an. Das war schon 1993... Torsten: Also Ende 93 haben wir unser erstes
Demotape aufgenommen. Aber da waren wir noch die totalen Anfänger. Das
erste professionelle Album kam so 94/95 raus. Damals hatten wir zwar noch sehr
starke Death Metal Wurzeln, haben aber auch schon versucht mit Gothicartigen
Melodien zu arbeiten. Ruhigere, cleanere Gesangslinien zu verwenden... Jörg: 97 kam dann auch schon eine Maxi CD
raus. Da haben wir würde ich sagen so eine Art Gothicmetal gespielt, schon
mit sehr vielen Melodien und Gitarren... aber mit dem was wir heute machen hat
das eigentlich nichts mehr zu tun. Heute klingen wir völlig anders. Wir
waren damals auch noch gar nicht so weit und haben einfach nur probiert. Oft
hat es an der Umsetzung gehapert, die dann nicht so wie die eigentlichen Ideen
rüber kam. Wir wollten damals irgendwie wie PARADISE LOST klingen, was
natürlich nicht geklappt hat. Torsten:
Es war damals halt die Band die wir alle gehört hatten, und da
haben wir schon versucht wie die zu klingen... Jörg: ... uns fehlte die eigene
Identität und so ist der Schuss eigentlich eher nach hinten losgegangen.
Torsten: Von den Reviews her kam sie
aber eigentlich doch ganz gut an. Dummerweise kam die CD auch viel später
als geplant raus, da uns im Studio ein Rechner abgestürzt ist und wir im
Prinzip wieder von vorne anfangen mussten. Das ist natürlich absolut
tödlich, wenn du wieder alles neu aufnehmen musst. Wir hatten dann
eigentlich auch schon wieder neue Stücke uns weiter entwickelt und dann
kam die Scheibe raus... Jörg: An
der Stelle möchte ich eigentlich sagen, dass die TEARS OF MYSTIGMA so wie
sie heute sind und klingen erst so 98 anfingen. Vorher war eigentlich nur
Geplänkel, mit dem wir auch ziemlich viel Zeit verloren haben und einfach
nicht aus den Socken kamen. Erst Ende der 90 wurden wir professioneller, hatten
einen anderen Drummer... Torsten:
Unsere musikalischen Hörgewohnheiten hatten sich massiv geändert. Es
kamen neue Einflüsse dazu und da hat sich dann so der Stil heraus
kristallisiert den wir heute haben. Einfach mehr Atmosphäre, mehr
Melodien, Waveeinflüsse... das hat sich dann über unser erstes
richtiges Album "The Reflect Colourproject" bis heute zur "Higher Circumstance"
weiter entwickelt. Weil ich denke schon das wir auf der Maxi auch anders
klingen, weiter sind als auf dem Album. Es gibt zwar sicherlich noch einen
Bezug dazu aber die Veränderungen sind hörbar. Die Hinzunahme von
elektronischen Sachen, Samples mit denen wir jetzt recht häufig arbeiten
und die oft auch Basis der Songs sind. Das war vorher nicht denkbar gewesen. Da
war klar das am Anfang für eine Metalband immer ein Riff stehen muss und
heute ist das alles anders. Da stehen am Anfang Keyboardklänge,
soundtrackartige Elemente...
GW:
Es ist wahrscheinlich wirklich ein Unterschied, ob man einen Song
am Synthie oder an der Gitarre schreibt, oder? Jörg: Absolut! Damals war es so, dass wir
gesagt haben, wir haben zwei Gitarristen und es müssen immer alle beide
spielen. Und da sind wir völlig von runter gekommen. Heute spielt jeder
eher so Songlinien oder auch einfach mal nichts.
GW: Das ist ja gerade für Gitarristen
immer so ein bisschen ein Problem. Jörg:
(lacht) Ja! Aber der Sänger singt ja auch nicht von der ersten
bis zur letzten Minute. Und so haben wir mittlerweile eine ganz andere
Herangehensweise an die Songs.
GW:
Was mir so bei eurer Geschichte auffällt ist, dass ihr wie
sehr viele Bands eigentlich aus dem Heavy kommt und inzwischen aber
überhaupt nicht danach klingt. Das bringt mich zu zwei Punkten. Einerseits
hat man den Eindruck das Leute die diesen Heavybackground haben, irgendwie die
besseren Musiker, Handwerker sind, so im Sinne von, die können noch ihre
Instrumente spielen und werden auch gerne als Livemusiker
genommen... Jörg: Du meinst im
Sinne von der Pike an gelernt?
GW:
Ja! Jörg: Das
ist dann bei uns auf jeden Fall auch so. Wir haben halt mit den Instrumenten
angefangen und die Samples kamen erst später dazu. Insofern stimmt das
schon das wir unser Handwerk verstehen.
GW:
... der zweite Punkt den ich dann gerne Frage ist: Ob man
irgendwann einfach müde ist und die Schnauze voll hat vom Rumgedresche und
Gegrowle. Jörg: Versucht haben
wir es eigentlich schon immer. Mit mehr Melodien und auch cleanerem Gesang zu
arbeiten. Gerade mit dem Gesang hat das aber damals nicht so geklappt. (Beide
lachen!) Torsten: Eine Zeitlang war es
ja auch sehr in, zwar melodische Gitarren zu verwenden, aber darüber aber
eine recht aggressive Stimme. Was viele ja auch heute noch machen. Aber
irgendwann wird man auch einfach älter, man fängt an andere Sachen zu
hören und damit auch einzubringen. Man entwickelt sich. Jörg: Ein Maler malt ja auch nicht ewig ein
und das selbe Bild. Und so versuchen sich Musiker eben auch weiter zu
entwickeln. Das ist ja auch immer wieder die Motivation weiterzumachen, wenn
man merkt das man sich verändert.
GW:
Wobei ja gerade oft die Hörer damit so ihre Probleme haben.
Wenn ich mir überlege was damals los war, als es anfing das sich Metal und
Gothic angenähert haben... Jörg:
Richtig! Aber inzwischen ist das zum Glück egal. Heutzutage ist
alles erlaubt, man kann machen was man will. Natürlich sollte man seinen
Stil haben... wir werden immer so ein bisschen dunkel, melancholisch klingen.
Aber wir werden uns trotzdem weiter entwickeln. Ich meine das wir mal ein
Saxophon auspacken, wage ich zu bezweifeln, oder das wir wieder den alten
Growlinggesang auspacken... Torsten:
Wohl nicht!!!! Jörg: Auf keinen
Fall! Torsten: Der Grundtenor von TEARS
OF MYSTIGMA wird einfach bleiben. Dieses eher Dunklere, Melancholische... wie
du ja auch geschrieben hast SCHÖNE... Jörg: Wir wollen ja oft anders, dreckiger
klingen.... (lacht) aber das klappt nicht so richtig. Vielleicht liegt's am
Gesang?? Torsten: (lacht) Tja! Jörg: Es liegt einfach an Torsten, dessen
Stimme das alles so schön macht.
GW:
Das bringt mich ja zu der Sängerin! Kommt sie des
Öfteren zum Einsatz? In Zukunft? Jörg: Vielleicht. Torsten: Wir haben auf jeden Fall ein Stück
wo sie einfach mitsingen muss. So eine richtige Herzzerreißende Nummer.
Aber wir wollen auf keinen Fall dieses Klischee erfüllen, vom tollen
weiblichen Gesang mit den aggressiven männlichen Vocals!! Wir werden auf
jeden Fall in Zukunft weiter damit arbeiten, es aber auch nicht Überhand
nehmen lassen.
GW: Damit hast du
ja das Zauberwort schon gesagt! Was passiert in der näheren
Zukunft? Torsten: Viel live spielen.
Wir haben einen sehr guten Zweijahresvertrag mit einer Bookingagentur, von dem
wir uns eigentlich sehr viel erhoffen. Das wir als Supportact von
größeren Bands spielen, dann hoffen wir das wir auch irgendwie an
die Festivals rankommen... Tja und so vielleicht auch neue Kontakte zu kriegen.
Durch die Livesachen uns einen Namen zu machen und mit "Higher Circumstance"
weiter hausieren gehen... Mal sehen wo wir dann Ende 2003 stehen. Das kann man
jetzt nicht sagen. Die CD ist ja auch erst zwei Monate alt.
GW: Dann bleibt mir nur Euch viel Glück
zu wünschen, in der Hoffnung auf bessere Zeiten und das ihr ein gutes
Label findet, erfolgreich werdet, reich... Torsten / Jörg : (lachen) Ja danke! Wir
geben nicht auf.
Thomas
Sabottka für
GOTHICWORLD
Review zu
"Higher
Circumstance" Homepage:
www.tears-of-mystigma.de
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