Live-Review:


TEARS OF MYSTIGMA / IRONY OF FATE
06.12.2002 Haus Spilles, Düsseldorf
"Musik in Zeiten der Rezession" (frei nach Gabriel Garcia Marquez)

Die wirtschaftliche Lage ist besch…
eine CD kostet ca 17€ und man entwickelt nur noch Galgenhumor, im Sinne eines "Steuersongs". Dass sich diese Situation inzwischen auch of eine sonst so "unpolitische" oder einfach "politisch desinteressierte" Gemeinschaft, wie die sog. "schwarze Szene" auswirkt, konnte man sehr gut am 06.12.02 in Düsseldorf/Haus Spilles spüren. Denn ehrlich Leute... Wo wart Ihr?


Es war Freitag Abend, der Eintritt für ZWEI Bands kostete 3€, ein Bier im Spilles 1,50€, eine Cola 0,70€ und ein Kaffee 0,50€. Welche Gründe gab es also, nicht zu erscheinen?

Das IRONY OF FATE und TEARS OF MYSTIGMA nicht gerade zu den Topacts der Musikszene gehören? Kein Grund bei den Preisen. Leider spiegelte sich dort nur allzu deutlich die allgemeine Rezession wieder, so das ich zu o.g. Zitat greifen musste. TEARS OF MYSTIGMA konnten zu diesem Zeitpunkt schon ein Lied von derartigen Situationen singen, da sie leider das zweifelhafte Vergnügen hatten, als Supportact dem traurigen Untergang einer Band wie JACK FROST in Antwerpen beizuwohnen, wo in einer Halle die tausend Leute fasst, gerade einmal ca 12 Leute da waren. Man lasse sich diese Zahlen mal bitte auf der Zunge zergehen!!!
Auch im Spilles waren vielleicht 15 Leute da, wobei man davon ausgehen konnte, dass die Hälfte davon zum Club, oder den Bands gehörte... Schade, schade, schade...

Irony of FateDenn IRONY OF FATE die den Abend eröffneten, boten sehr erfrischend und unkompliziert, einen guten Gitarrenpopsound, der gelegentlich härter werdend, immer einen gesunden Schuss Melancholie beinhaltend, durchaus an Mitte der 80er erinnerte, als Bands wie THE SMITH, THE MISSION und nat. THE SISTERS OF MERCY ihre Hochphase feierten. IRONY OF FATE sind wahrscheinlich noch sehr jung, neu im Geschäft, spürte man gelegentliche Nervosität und kleine Fehler, die hier aber ihren Charme hatten. Das ganze lebendiger machten...

Tears of MystigmaNach einer etwas längeren Umbaupause kamen dann TEARS OF MYSTIGMA auf die Bühne, die ja gerade versuchen mit neuer Single, massiv Promotion zu betreiben und sich zwei Jahre nach dem letzten Album wieder in die Ohren der Hörer zu spielen. Sehr professionell, sehr satter Sound, eine gute Mischung aus melancholischen Melodien, etwas elektronischen Dance/Popelementen, brettharten Metallgitarren und der traurigen Stimme des Sängers. Die entstehenden Pausen, mit ihrer unheilvollen Stille (bei NUR 15 klatschenden Gästen fast schmerzhaft!) gekonnt umgehend, in dem sie einfach einen Titel in den Anderen übergehen ließen.

Schade! Denn ihre neue Single "Higher Circumstance" könnte ein richtiger Knaller sein, der die Fläche vor der Bühne zum Kochen bringt, so perfekt und schön ist die Mischung aus Melodie und Härte, aus Rock und Pop, aus Melancholie und Agression. Gerne würde ich den Jungs aus Münster eine große Zukunft voraussagen, auch gönne ich IRONY OF FATE mehr Aufmerksamkeit und zahlende Gäste, aber in Anbetracht der allgemeinen Lage, kann man beide Bands Tears of Mystigma(und etliche Andere!) nur noch dafür bewundern, dass sie trotzdem genügend Idealismus und Spielfreude besitzen, um aus einem solchen Abend noch ein gutes Konzert zu machen. Getreu dem Motto, auch für zwei Leute so gut zu spielen, wie für 50, boten beide Bands insgesamt betrachtet, einfach nur gute Musik und einen Gig der hätte sehr viel Spaß machen können... Wenn nicht... Ja wenn nicht! Einen satten Schuss, bittere Melancholie auf der Zunge behaltend, verabschiede ich mich von einem eigentlich perfekten Konzert...

In der Hoffnung das jetzt die Talsohle erreicht ist und es nur noch bergauf gehen kann. Und der Wunsch an alle Musiker, dass sie bitte weitermachen und nicht aufgeben, sich nicht unterkriegen lassen, denn ohne Musik ist das Leben wohl ein ganzes Stück ärmer!!!


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos aus dem Archiv

Zum Interview im Anschluß an das Konzert mit TEARS OF MYSTIGMA
Zum Review zu "Higher Circumstance"