Live-Review:
ANUBIS-Release-Party zum neuen Album "Heroin(e)"
am 13. Oktober 2000 im Audion Hanau
mit ADVOCATUS DIABOLI als Vorband


 
Nach ca. 3 stündiger Fahrt von Köln nach Hanau erreichten wir zusammen mit DJ Martin KA (THOU) unser Ziel. Das Audion in Hanau, ein in einem Industriegelände gelegener, einfach gehaltener Club, indem heute ANUBIS (bekannt unter anderem auch vom GWT 2000) ihre CD-Release-Party geben sollten. Neben ANUBIS spielte die Vorgruppe ADVOCATUS DIABOLI.

Leider muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich von der Vorband gar nicht so viel mitbekommen habe, da ich viel zu sehr damit beschäftigt war, bekannte Gesichter zu begrüssen. Aber das, was ich gesehen und gehört habe war aussagekräftig genug: Klassischer Gothic-Rock mit Synthesizer-Untermalung und dazu der bezaubernd schöne Gesang, besonders von der weiblichen Gesangsstimme. Aber das nächste ADVOCATUS DIABOLI-Konzert kommt bestimmt und dann gibt es auch ein ausführlicheres Review.

In der Pause gab DJ Martin KA von THE HOUSE OF USHER schonmal einen kleinen Vorgeschmack, auf das was uns nach dem Konzert von ANUBIS erwarten würde.

Dann war es endlich soweit. Ein düster-bedrohliches Intro kündigt den Auftritt von ANUBIS an und schon ging es los. Wie der interessierte Besucher schnell merkte handelte es sich nicht nur um ein einfaches Konzert, sondern es erinnerte durch das sorgfältig durchgeplante Konzept eher an eine Musiktheateraufführung. Die musikalischen Stücke führten mittels des festen Konzeptes durch eine Geschichte, welche durch kurze Texteinleitungen dem Besucher nahe gebracht werden sollte. Die Geschichte erzählt von einer Art "jedermann" (dargestellt durch Ikarus) der sich in ein vernetztes Wesen verwandelt, welches jegliche Individualität aufgegeben hat. Viel zu spät erst merkt Ikarus, dass dies nicht der richtige Weg sein kann. Doch wird er den Sprung in die Tiefe, zurück zum Individuum, was Schmerz und Enttäuschung, aber auch Freude und Liebe bedeuten kann, wagen? Die Idee zu diesem Konzept kommt aus dem Inneren von Keyboarder und Songtexter Matthias, was man meiner Meinung nach dem Stück anmerkt! Und zwar im positiven Sinne; es wird nicht einfach nur eine Geschichte mit Hilfe von Musik, Licht und Sprache heruntergeleiert. Sondern es werden Ängste offen dargelegt, die wohl jeder - der eine mehr, der andere weniger - in sich trägt. Keinem von uns dürfte die immer mehr zunehmende Gleichgültigkeit und Anonymität der Gesellschaft verborgen bleiben.

Musikalisch braucht sich ANUBIS nicht zu verstecken und präsentiert dem Besucher im Vergleich zum vorherigen Album eine musikalische Weiterentwicklung, die von enormer Reife zeugt. Wunderschöne Synthesizerklänge und Klavierfragmente, kombiniert mit harten Gitarrensound. Dazu der Gesang von Barbara "Babsi" Volpert und Jan Bairlein, der auf dem Konzert leider zu sehr von der Musik übertönt wurde. Besonders schön fand ich aber, dass Babsi, im Gegensatz zu den vielen anderen "Engelchen" aus der Szene, dem Zuhörer die gesamte Klangbreite ihrer Stimme offenbart und nicht nur in hohen Tönen singt. Auch Jan präsentiert seinen Gesang in einem neuen Licht und schafft es, durch kreischende Töne und einem absolut beeindruckenden "Stimmen-Ausraster" im Song "Avalon" den Schmerz des Ikarus hörbar zu machen.

Leider blieb dem Publikum wohl einiges von dem verborgen, was dieses Stück aussagen sollte. An dem Konzept muss an der einen oder anderen Ecke sicherlich noch ein wenig gearbeitet werden. So wäre es zum Beispiel empfehlenswert mehr Interaktion zwischen Jan und Babsi auf die Bühne zu bringen. Die Verkabelung des Ikarus' könnte deutlicher dargestellt werden, um so dem Zuhörer einen leichteren Einstieg in das Konzept zu gewähren.
Auch waren die technischen Probleme nicht unerheblich. Wie oben schon erwähnt konnte man leider die Texte oft nicht richtig verstehen. Doch wäre das Publikum bereit gewesen zuzuhören, statt sich wie in einer normalen Disco zu verhalten, wäre es sicherlich besser rübergekommen.

Fazit: Ein wirklich lohnendes Stück! Leider für ein etwas anspruchvolleres Publikum gestaltet, als es oft anwesend ist. Aber auf jeden Fall sollte ANUBIS daran festhalten und weitere Aufführungsmöglichkeiten wahrnehmen! Kleiner Tipp: Stellt beim nächsten Mal Stühle auf! Wer sitzt hört besser zu! ;-)

Nach dem Konzert sollte es dann eigentlich mit Party weitergehen, aber leider blieb der erwartete Ansturm auf die Tanzfläche aus und so legte DJ Martin Ka bereits nach anderthalb Stunden seine Arbeit nieder und packte seine CD's zusammen.
Wir haben dann halt noch ein wenig mit Matthias von ANUBIS gefeiert und ein Interview geführt, welches ihr hier in Kürze nachlesen könnt.

(DARK_ANGEL & BlackTear für die GothicWorld)