CD-REVIEWS:

Felix in the Sky    SILKE BISCHOFF:
"Felix in the Sky" CDS (e-move/Drakkar)

VÖ: 02.04.2001
     

Hurra - sie leben noch (und wie!)

Fast fünf Jahre nach "Northern Lights" gibt es wieder Lebenszeichen von der nach langem Rechtsstreit zwischen den Bandmitgliedern schon endgültig todgeglaubten Kultband SILKE BISCHOFF. Nunmehr zum Duo geschrumpft geben Felix Flaucher (Vocals, Programming) und Frank Schwer (Gitarren, Programming) mit der Single "Felix in the Sky" einen Neuanfang zum Besten, wie es sich der eingeschworene SILKE BISCHOFF-Fan nicht besser hätten erträumen können.

Zwar kommen sie nicht mit einem Paukenschlag, sondern schmeicheln sich mit hypnotischen, fast relaxten Sounds 'n Beats und dem unverwechselbaren Gesang von Felix unweigerlich in die Hörgänge, wo sie durch geschickte Steigerung der Klangelemente, mit zunehmend fetten Gitarren bald ein meisterhaftes Feuerwerk entfachen. In einer gekonnten Mixtur aus Electro, Trance, Darkwave und einer gehörigen Portion Schwarzromantik steht das folgende "Love Never Dies" dem Opener in nichts nach. Vielleicht sogar der stärkste Song dieser Vorabsingle, wärend das abschließende "Deep in Your Heart", eher wie eine nicht ganz ernst zu nehmende Studiosession mit viel Akustikgitarre eher einfach nur trippy poppig wavig untypisch wirkt.

Silke BischoffSo also klingt SILKE BISCHOFF 2001. Einerseits ganz die Alten, andererseits erfrischend neu, als ob es SILKE BISCHOFF nie zuvor gegeben hätte, oder als ob zwischen "Northern Lights" und dem im Mai kommenden Album "Phoenix From the Flames" nur ein Flügelschlag liegen würde. So haben wir uns das doch gewünscht!

Mit Sicherheit wird das Fulltime-Album erst das ganze Potential der neuen SILKE BISCHOFF zeigen, diese Single schürt gekonnt die Ungeduld der Fans weiter an!
 
Ritchie für GOTHICWORLD



"Felix in the Sky" - Tracklist:
  01 - Felix in the Sky (4:52)
02 - Love Never Dies (4:49)
03 - Felix in the Sky - Radiomix (4:00)
04 - Deep in your Heart - Non Album-Mix (3:20)
 


Im Nachfolgenden möchten wir für alle denen SILKE BISCHOFF kein Begriff ist, ein wenig Nachhilfteunterricht in Geschichte geben:

Gut und Böse, Licht und Dunkel, Liebe und Hass, Glaube und Aberglaube, das sind Themen, die eine geheimnisvolle Faszination auf die Menschheit ausüben. Niemand kann sich dieser Anziehungskraft widersetzen.
Während der Normalbürger es bei bloßen Gedankenspielen beläßt, liefert diese Materie den Treibstoff für die magische Musik und die faszinierenden Bilder von Silke Bischoff.

Den bisherigen audiovisuellen Höhepunkt ihrer Karriere liefern Felix Flaucher und Frank Schwer mit ihrem neuen Album "Phoenix From The Flames" ab. Perfekt verbindet das Duo darauf die bittersüße Melancholie des Wave mit der Leichtigkeit moderner, anspruchsvoller Pop-Musik. Eine ungewöhnliche Mixtur, die irgendwo im Spannungsfeld zwischen Joachim Witt und Wolfsheim anzusiedeln ist. Allerdings ist dieser Stil kein anbiedern an Trends sondern viel mehr seit 1990 typisch für die Band. Die bekannte Intensität von Silke Bischoff-Songs wird die Fans noch mehr als jemals zuvor tief in ihrer Seele berühren.

Ungewöhnlich an dem neuen Werk ist sein Facettenreichtum. Die Grenzen zwischen Popkultur und Independentszene werden durch "Phoenix From The Flames" eliminiert. Mit verantwortlich dafür zeichnet sich Produzent John Fryer, der schon für Depeche Mode, HIM oder Paradise Lost tätig war. ,,Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass jemand in unsere eigentlich schon fertigen Songs noch so viel einbringen kann. Wir haben gelernt ,,loszulassen", weil wir von den Ergebnissen total beeindruckt waren. Wenn man als Künstler einen Roughmix mehr als 100 mal hört, dann kann man sich davon nicht mehr lösen. Es fehlt einem schlichtweg die Distanz. Es war aus meiner Sicht eine geniale Entscheidung mit John zusammen zu arbeiten", ist Flaucher überzeugt. Zu Recht. Noch nie waren die Gitarrenparts so druckvoll und die Keyboardsounds so abwechslungsreich.

Neben der Musik sind es die Inhalte, welche die Band zu etwas ganz besonderem machen. Sie berühren die Seele des Zuhörers. Der Albumtitel "Phoenix From The Flames" hätte nicht besser gewählt werden können. Die Thematik läßt sich mit folgender religiöser Aussage ganz gut skizzieren. ,,Unser Herr Jesus Christus spricht in dem göttlichen Evangelium: Ich habe Macht mein Leben zu lassen, und habe Macht es wiederzunehmen." Symbolisiert wird diese Beschreibung des ewigen Lebens und der Auferstehung, durch die Legende des Vogels Phoenix, der Feuer an sein Nest legte und aus den Flammen auferstand. Ein Mythos, der perfekt zur wechselhaften Historie von Silke Bischoff paßt. Bereits mit dem 1991 erschienen Debütalbum "This Is The New Religion" sorgte die Band für gewaltiges Aufsehen. Neben den beiden Szenehits "On The Other Side" und "I Don't Love You Anymore" waren die provokanten, erotisch morbiden Fotografien von Felix Flaucher sowie der Bandname selbst echte Aufreger. Vor allem, das man sich als "Pate" für die Bandtitulierung des Namens der am 18.8.1988, während des Gladbecker Geiseldramas, im Alter von 18 Jahren ums Leben gekommen Silke Bischoff bediente, schlug hohe Wellen. ,,Die ganze Aufregung um den Bandnamen und die Photos habe ich nie verstanden. Es kommt mir oft so vor, als wollten die Leute schockiert werden, um eine bißchen Thrill in ihr eintöniges Leben zu bekommen. Es ging mir allerdings nie um vordergründige Schockeffekte, sondern eher darum, größtmögliche künstlerische Freiheit ausleben zu können. Ich denke, man hat nicht viele Möglichkeiten aus seinem Leben auszubrechen. Schließlich reicht es schon, wenn man sich gesellschaftlichen Zwängen unterordnen muß. Im künstlerischen Bereich sollte man machen können worauf man Lust hat, ohne sich ständig überlegen zu müssen, ob das jetzt "politisch " korrekt ist. Gerade die Fotografie ist für mich eine weitere Möglichkeit mich auszudrücken. Es geht mir immer darum eine Stimmung zu schaffen, die es nur auf diesem einen Bild gibt. Dabei ist es egal, ob es sich um Models für Silke Bischoff-Bilder oder um Künstler wie Love Like Blood oder Christian Death handelt. Ich möchte zumindest im kreativen Bereich nicht ständig eine Schere im Kopf haben, vielleicht kann ich damit verhindern irgendwann Amok zu laufen."

Dieser Linie blieb man auf den folgenden, sehr erfolgreichen Alben "The Man On The Wooden Cross" (1993), "To Protect And To Serve" (1995) und "Northern Lights" (1996) treu. Neben Deine Lakaien, Project Pitchfork und Wolfsheim hatte man sich längst als führende innovative Kraft der Independent-Szene etabliert. Der große Durchbruch schien nur eine Frage der Zeit sein. Leider kam damals alles ganz anders.

Die Pleite der Plattenfirma und interne Streitigkeiten mit Ex-Gründungs-Mitglied Axel Kretschmann schienen das Ende zu bedeuten. ,,Es war eine verdammt schwierige Zeit. Kein Geld, kein eigenes Studio mehr und nur Stress. Eines war aber immer klar: Frank und ich wollten weiterhin Songs schreiben. Wir hatten Ideen ohne Ende und wußten, dass wir einen Weg finden würden, weiter zu machen. Eine große Hilfe war dabei Roman Schönsee (Ex-Pyogenesis, The Dreamside, The Bloodline), der unseren alten Keyboarder mehr als nur ersetzt hat. Es war wie das Ende einer großen Liebe. Du weißt im ersten Moment nicht, wie es weiter gehen soll, aber nach einiger Zeit entdeckst du neue Dinge in deinem Leben, neue Möglichkeiten. Irgendwann ist man dann froh, dass alles so gekommen ist, weil man sonst eine Menge verpaßt hätte. Ich bin mir sicher, dass wir sonst niemals ein so hochwertiges Album hätten machen können."

So erheben sich Silke Bischoff wie der Phoenix aus den verbrannten Ruinen der Vergangenheit. Aufregend, sinnlich und spannend. Silke Bischoff liebt euch intensiver als jemals zuvor!



Silke Bischoff:
Felix Flaucher (Vocals, Lyrics, Bass-Guitars, Keyboards)
Frank Schwer (Guitars, Keyboards)

Diskografie:
CD "This Is The New Religion" (1991)
CD "The Man On The Wooden Cross" (1993)
CD "To Protect And To Serve" (1995)
CD "Northern Lights" (1996)
CDS "Felix In The Sky" VÖ: 02. April 2001
CD "Phoenix From The Flames" VÖ: 28. Mai 2001


Official Homepage: www.silkebischoff.de

Label: www.drakkar.de


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