exclusive interview:

Silke Bischoff
vom menschlichen Bedürfnis, Spuren zu hinterlassen.

Was auf der Releaseparty am 30.März in der Stuttgarter Röhre im bunten Treiben leider untergegangen ist, sei Euch hier, wie versprochen nachgereicht. Die Parties hinter sich, fand Felix Flaucher, Sänger von SILKE BISCHOFF die Zeit, über Vergangenheit und Gegenwart der schon totgeglaubten Band und das am 28.Mai erscheinende Album "Phoenix from the Flames" zu erzählen:


Felix FlaucherGW: Felix, SILKE BISCHOFF ist wieder da und die Welt horcht plötzlich wieder auf! Auch wenn die Band für viele schon abgeschrieben war, für Dich war sie augenscheinlich niemals tot?
Felix: Es gab nur einen kurzen Augenblick in dem ich dachte, vielleicht war es das wirklich schon. Nach dem Ausstieg von Axel Kretschmann vor drei Jahren haben Frank Schwer und ich uns allerdings ziemlich schnell auf die neue Situation eingestellt. Wir sind mit Unterbrechungen seit zweieinhalb Jahren immer wieder in verschiedenen Studios unterwegs gewesen, um neue Songs aufzunehmen.

GW: Also hast Du mit Frank weitergemacht, wo für uns nach "Northern Lights" und einigen Festivals 1997 alles zu Ende schien?
Felix: Wir wussten zu Beginn selbst nicht, wohin uns unsere Reise führen würde. Inzwischen bin ich froh, dass alles so gekommen ist. Ohne diesen damaligen Neubeginn wäre die Band vielleicht tatsächlich gestorben.

GW: Habt ihr zwischenzeitlich auch mal an einen totalen Neuanfang unter anderem Namen gedacht?
Felix: Rider heißt inzwischen Twix und wenn die Probleme wirklich zu groß geworden wären, hätten wir das vielleicht auch gemacht. Aber es wäre blöd gewesen, weil es nach wie vor Silke Bischoff ist, was wir machen. Sogar mehr als jemals zuvor.

GW: "Habt ihr von der alten SILKE BISCHOFF - Fangemeinde Rückhalt gekriegt? Gab es da einen Austausch?
Felix: Kaum. Außer ein paar wenigen Leuten, zu denen wir nach wie vor Kontakt hatten, waren wir von der Außenwelt praktisch abgeschnitten. Ich fand es ganz erstaunlich, dass wir so völlig von der Bildfläche verschwinden konnten, um in Ruhe unseren Job zu machen, ohne mit irgendetwas belästigt zu werden. Ich dachte auch immer, dass ich gar nichts zu sagen habe, bevor unser neues Album fertig ist.

GW: Lassen wir die Vergangenheit Vergangenheit sein und blicken nach vorne. Nun können wir uns jetzt ja alle an dem Ergebnis eures Durchhaltens erfreuen, mit Sicherheit ist es aber auch ein wichtiger Meilenstein für euch selbst, oder?
Felix: Es ist das beste Album, das wir jemals an den Start gebracht haben. Vielleicht war all der Ärger notwendig, um voran zu kommen, neue Erfahrungen zu machen und unbekannte Wege zu betreten. Es gibt nichts langweiligeres als Stagnation, ich entwerfe doch nicht ein Logo, um mich für den Rest meines Lebens damit zu verheiraten - es sei denn, ich lasse es mir als Tattoo stechen.

Frank SchwerGW: Die Erwartungshaltung der Fans und jener, die SILKE BISCHOFF schon tot geglaubt hatten sind natürlich hoch. Kann mir vorstellen, dass bei euch jetzt ganz schön trouble angesagt ist.
Felix: Vor kurzem habe ich in einem Interview noch gesagt, dass ich gar nicht so viel davon mitbekomme. Inzwischen ist es manchmal doch etwas anstrengend, ständig unterwegs zu sein und ich denke, es war gar nicht so schlimm in den letzten drei Jahren von der Bildfläche verschwunden zu sein.
Wir sehen uns nicht als Popstars und obwohl Silke Bischoff so etwas wie mein "Lebenswerk" ist, definiere ich mich nicht allein durch die Band. Ich laufe nicht herum und fühle mich als großartiger Sänger von Silke Bischoff.


GW: Ich habe das Gefühl, dass sich SILKE BISCHOFF musikalisch gar nicht allzu weit von ihren Wurzeln entfernt hat und Gott sei Dank nicht auf irgendeinen Trendzug aufgesprungen ist. "Phoenix from the Flames" ist wohl noch vielschichtiger geworden, soundtechnisch brillanter als vor Jahren, aber was mir noch wichtiger ist, dass hier Gefühle noch überzeugender übermittelt werden. Sind das die harten Lehrjahre gewesen oder liegt es daran, dass ihr zum ersten Mal mit einem erfolgreichen Produzenten wie John Fryer zusammen gearbeitet habt oder ein wenig von beidem?
Felix: Frank und ich sind Songwriter und dabei geht es zuerst einmal nicht um Geld oder Trends, es geht nicht einmal darum, Songs in einem Studio aufzunehmen. Du schreibst Songs oder auch Lyrics, um Dich auszudrücken, Deine Sicht der Dinge zu vermitteln. Vielleicht ist es das Gleiche, was Hausfrauen dazu bewegt, Seidentücher zu bemalen oder einen Holzschrank mit Bauernmalerei zu schmücken. Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, Spuren zu hinterlassen, etwas Eigenes zu erschaffen, in der Hoffnung Unsterblichkeit zu erlangen. Wenn ich zu Franks Gitarre singe, egal, ob wir allein sind oder ein paar Leute zuhören, befinde ich mich oft in einer Stimmung, die ich rational gar nicht erklären kann. Es ist als würde ich einen Raum betreten, der unendlich weit vom normalen Alltag entfernt ist. Als wäre ich durch eine Tür getreten, hinter der sich die Antworten auf alle Fragen befinden.

Was die Zusammenarbeit mit John Fryer angeht haben wir inzwischen gelernt, dass es eine große Bereicherung sein kann, andere Einflüsse zuzulassen. Wir wollten ursprünglich mit unserem Creative Producer Roman Schönsee nur in ein fettes Studio, um aus den Songs soundtechnisch das Beste herauszuholen. Der Kontakt zu John entstand über Drakkar und wir waren am Anfang nicht einmal sicher, ob es eine gute Idee ist. Um ehrlich zu sein hat mir der Name gar nicht viel gesagt und ich dachte, dass wir eigentlich niemanden brauche, der uns vielleicht sagen will, wie unsere Songs zu klingen haben. Die Zusammenarbeit mit John war das Beste, was Silke Bischoff passieren konnte. Wir sind von seiner Arbeit mehr als beeindruckt, nicht weil er einen großen Namen hat, sondern weil wir allergrößten Respekt vor seiner Arbeit haben.


GW: Neben Frank an den Gitarren habt ihr ja noch einen dritten Musiker im Bunde, nämlich Roman Schönsee (Ex Pyogenesis), der wohl auch einen guten Anteil zu den neuen Songs beigetragen hat. Ein heimliches drittes Bandmitglied?
Felix: Auf jeden Fall. Roman ist ein unheimlich kreativer Mensch, dem es gelungen ist, sich in die Welt von Silke Bischoff hineinzuversetzen. Roman hat nicht einfach nur einen Job gemacht, er ist tatsächlich so etwas wie der dritte Mann von Silke Bischoff und wir würden lieber sofort wieder in sein Studio gehen, um neue Songs aufzunehmen, als beispielsweise Interviews zu machen ;- )

Kemi Vita, die Stimme von Dreamside lebt mit ihm zusammen, und so hat es sich ganz natürlich ergeben, dass sie auf einigen Songs auch zu hören ist. Kemi ist eine echte Bereicherung für Silke Bischoff und Songs wie "AJ:NA", "Marry Me", "Shining Star" oder "Wie eine Feder" könnte ich mir ohne ihre Vocals gar nicht mehr vorstellen.


GW: "Love never Dies" von der Vorab - Single ist schon auf Platz 2 der DAC - Charts und das Video läuft in der VIVA2. Selbst in den Verkaufscharts könnte sich für SILKE BISCHOFF einiges tun. Reizt euch das?
Felix: Ich denke immer, wir sollten den Ball flach halten. Ich dachte schon einmal, es kann jetzt nur noch aufwärts gehen und wir sind mit Vollgas in eine Sackgasse gerannt. Wir werden sehen.

GW: Zur Zeit scheint die schwarze Musik sich breiterem Publikum zu öffnen bzw. von breiter werdendem Publikum konsumiert zu werden, *hust*. Segen oder Fluch?
Felix: Ich glaube auch, dass das Publikum der schwarzen Musik meist ziemlich breit ist ;- )
Im Ernst: ich habe kein Problem damit, dass Bands wie HIM auch von Dauerwellensekretärinnen geliebt werden. Es wird immer Leute geben, die sich nicht mehr für eine Geschichte interessieren, sobald sie etwas bekannter wird. Der Geheimtipp-Charakter geht verloren und es macht einfach nicht so viel Spaß, etwas zu mögen, was jedem Arsch gefällt. Aber ich denke nicht, dass die schwarze Szene ein elitärer Club sein muss, in dem sich nur Eingeweihte bewegen dürfen. Wenn jemand einen schlechten Geschmack hat, beschissene Klamotten trägt und aus dem Mund riecht, habe ich trotzdem kein Problem damit, wenn ihm unsere Songs gefallen.


GW: Ihr seht euch aber immer noch der Gothic - Szene, falls es sie als solche überhaupt gibt verbunden?
Felix: Auf jeden Fall. Selbst wenn es uns gelingen sollte mit "Phoenix from the Flames" ein wenig über den schwarzen Tellerrand hinausschauen zu können, bleiben unsere Wurzeln tiefschwarz. Es gibt nichts Ekligeres als Bands, denen es gelingt, durch diese Szene eines Tages größer zu werden, und die dann nichts mehr davon wissen wollen.

GW: Deine zweite Leidenschaft gilt neben der Musik ja der Fotografie, jetzt dürfen wirs ja sagen, das DRAKKAR-Gewinnspiel ist vorüber. Wen wünscht Du Dir ganz besonders mal vor die Linse zu kriegen?
Felix: Judy Blessing. Ich habe von ihr schon einige Male Fotos gemacht, aber leider ist sie, ohne mich zu fragen, umgezogen ;- ) Judy wohnte zuletzt in Pforzheim. Ich würde mich freuen, sie wiederzusehen und es wäre cool, eine Foto-Session mit ihr an den Start zu bringen.

GW: Überhaupt, was wäre, wenn Du drei Wünsche frei hättest?
Felix: Reichtum, Unsterblichkeit und alle Schnecken auf diesem Planeten ;- )

GW: Was uns ganz besonders noch interessiert, gibt es SILKE BISCHOFF bald auch mal wieder live zu sehen?
Felix: Hoffentlich nicht. Wir waren noch nie eine Live-Band und es hat Jahre gedauert, bis wir auf die Bühne gegangen sind.
Damit Du mich nicht falsch verstehst - wenn wir Live - Gigs machen sollten, möchte ich, dass niemand diesen Abend vergisst, dass wir einen Super-Job machen und die schwangeren Mädels ihre Tochter Silke nennen oder Felix, falls es ein Junge wird.

Aber ich habe ohnehin gerade das Gefühl, meinen Kopf ziemlich weit herauszustrecken.
Und eigentlich bin ich ja eher ein introvertierter Typ . . .


 
Na, da danken wir doch von Herzen für dieses Gespräch und wünschen noch viele gute Release-Parties und noch viel Musik von SILKE BISCHOFF.


Ritchie für GOTHICWORLD
 
Photos: Felix Flaucher
Homepage: www.silkebischoff.de


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