LIVE-Review:

STORM & SILENCE TOUR:
SCHWARZ, FLESH FIELD, JANUS, L'ÂME IMMORTELLE
11.02.2001 Universal D.O.G. - Lahr


Nachdem wir schon beim DARK STORM FESTIVAL 2000 den Operner LETZTE INSTANZ verpaßt hatten - die haben tatsächlich um 20 Uhr angefangen, haben wir (Toolpi von Darkflyer.de, Olaf von der Band und gleichnamigen Booking-Agentur Wings of Destiny und meine Wenigkeit) uns diesmal früher auf den Weg nach Lahr gemacht um ja nichts zu versäumen. Diemal war allerdings erst um acht Einlass, warscheinlich weil heute kein Mister Boa auf dem Programm stand, der früh ins Bettchen musste. So frohren wir uns erstmal die Beine in den Bauch, bevor dann aber pünktlich um acht die Tore geöffnet wurden.

Am Nachmittag hatte mich Mike von EMPIRE OF DARKNESS angerufen, so hatte ich schon ein paar Vorinformationen, wie der Touropener am 02.02. in der MARTIX, Bochum gelaufen war. Wie zu erwarten war das MARTIX so gut wie ausverkauft, was man vom Lahrer Universal D.O.G. nicht behaupten konnte, als die erste Band SCHWARZ um 20:30 Uhr loslegte:

SchwarzDie Truppe um den Sänger/Gitarristen Wolf Schwarz hatte ja einige weniger positive Kritiken zu ihrem letzten Album "Schloß" hinnehmen müssen und so vermochten die Berliner trotz optisch toll wirkender flurenzierte Körperbemalung mit ihrem wuchtigen Metallsound, der mit polternden Rythmen, mächtigen RAMMSTEIN-Riffs und agressiven Textgebaren kaum das Interesse des Publikums erwecken. Aber da SCHWARZ heute die einzige Band ohne Synthies und mit echten Schlagzeug war, war es wohl eh das falsche Publikum und lag bestimmt nicht an den fehlenden Live-Qualitäten der Band, denn die Jungs gaben sich sichtlich Mühe. Schade, so eine Deplazierung sollte man eigentlich keiner Supportband zumuten, das muss sie ja zwangsläufig total frustrieren!

Flesh FieldNachdem das Drumkit von SCHWARZ-Trommler Nicolaj Gogow von der Bühne geräumt war, gehörte der Abend endgültig den Drumcomputer und Synthiemodulen, bzw. deren Bedienpersonal. Los ging mit den Amerikanern FLESH FIELD. Ich muß gestehen, das mir das FESH FIELD-Material nicht allzu geläufig war. Ich wusste nur, das die Alben des Duos aus Ohio hier in Deutschland von TRISOL vertrieben werden und kannte bisher nur Flesh Fieldeinen FLESH FIELD-Song von einem NIGHTBREED-Sampler. Aber so wie mir ging es mit Sicherheit auch dem restlichen anwesenden Publikum. Und so bemerkenswerter war es, wie ihre mitreisenden Electronummern die Zuhörer von Song zu Song mehr und mehr in ihren Bann zog. Mit treibenden Drumgrooves, bombastischen Soundcollagen und abwechslungsreichen weiblichen und männlichen Gesangsmelodien unterscheiden sich FLESH FIELD erfrischend vom gewohnten deutsch-typischen Electro-Einerlei. Hier und da erinnert es an Front242 oder Leather Strip So dürfte das sympatische Pärchen, das auf dieser Tour übrigens vom MEGADUMP-Keyboarder Matthes (den wir im Laufe des Abends noch öfter in Aktion erleben durften!) live unterstützt wird, heute einige neue Anhänger gefunden haben. (Mehr Infos gibt es im anschließenden spontanen Interview mit FLESH FIELD)

JanusNun waren natürlich alle gespannt auf JANUS, deren aktuelles Album "Schlafende Hunde" Kritiker wie Fans zu wahren Begeisterungsstürmen gebracht hat. Ein Album mit einer vertrackten, komplexen Handlung, nicht geradlinig erzählt und dem Hörer einiges an Vorstellungvermögen abverlangt. Musikalisch strotzend voller Ideen und Stilelemente, wie werden "RIG" Dirk Riegert (Texte, Story, Gesang) und Tobias Hahn (Instrumente) das wohl auf die Bühne bringen? Die eine Möglichkeit, wäre das Ganze vielleicht als multimediales Theaterstück aufzuführen, aber im Rahmen einer Festival-Tour? Nein, ich bin mit meiner Vermutung schon richtig gelegen, daß JANUS es härter und direkter macht, als von der CD rüberkommt. So knallen uns vom ersten Stück die fetten Bretter entgegen wie "Rorschach" und "Unter Dem Eis" in unvermittelter Härte entgegen, jedoch alle Songs überzeugend mit allen musikalischen Nouancen der Albumversionen. Die Liveband besteht neben dem gesanglich absolut überzeugenden RIG und Tobias Hahn hinter den Tasten aus (zunächst) vier weiteren Musikern: Tina Kögel (Violine), Martin Höfert (Cello), Mark Zellekeus (Gitarre) und Robert Beyer (Bass). Doch damit nicht genug! Bei "Mein Krankes Herz" steuerte die fetten Gitarrenbretter außgerechnet, der MEGADUMP-Matthes (zuvor schon als Keyboarder bei FLESHFIELD auf der Bühne) bei und im hintern Teil, der JANUS-Performance, der von den ruhigeren Parts geprägt war übernahm keine Geringere als Sonja von L'ÂME IMMORTELLE den Gesangspart der "Veronica"! In eben diesem ruhigeren Part gab es dann auch das einzige ältere Stück "Saitenspiel" vom Vorgängeralbum zu hören, nur leider noch rein gar nix vom der neuen EP "Hundstage". Warum erfahrt ihr im anschließenden Interview mit RIG und Tobias. Zusammenfassend läßt sich sagen, das JANUS ihre Hausaufgaben gemacht hat, ein nicht einfach zu konsumierendes Konzeptalbum auf die Livebühne zu bringen, wobei sie erst gar nicht versucht haben die Handlung um den geheimnisvollen Mr.Drown seinen Bruder und deren verhängnisvolle Dreiecksbeziehung 1:1 auf der Bühne nachzuerzählen. Vielmehr haben JANUS auch für Besucher, die das Album noch nicht kannten eine überzeugende und abwechslungsreiche Show präsentiert und so, wie RIG gesanglich und mit seinem einzigartigen Mimenspiel auf der Bühne in die Rolle des Propagandisten geschlüpft ist, werden sich noch einige mehr mit dem interessanten Stoff einer der innovativten Bands das vergangenen Jahres auseinandersetzen. Hut ab, aber total !!!

L'Ame ImortelleNun endlich und schließlich zum Headliner des bisher schon mehr als gelungenen Abends. Ich habe an diesem Abend das Trio aus Wien nicht zum ersten Male live erleben dürfen. Zuletzt war es aber eben in den gleichen wohlklingenden Hallen des Universal D.O.G., Weihnachten 1999 zum DARK STORM FESTIVAL. Gerade als L'ÂME IMMORTELLE ihr Album "Wenn der Letzte Schatten fällt" veröffentlicht hatten eröffneten sie den Abend mit THEATRE OF TRAGEDY, IN EXTREMO und GOETHES ERBEN. Heute nach der frischen Veröffentlichung von "Dann habe ich umsonst gelebt" krönen die "STORM & SILENCE"-Tour souverän und professionell als Headliner. Nicht nur, daß das Trio es sich in den letzten Jahren hart erarbeitet und verdient hat, sind es drei Gründe, warum ich an dieser Stelle dieser Band einen ganz besonderen Respekt zollen muß:

1. L'ÂME IMMORTELLE überzeugt uns mit einer kontinuierlichen Entwicklung, die uns von Album zu Album mit neuem überrascht ohne sich selbst und ihren Wurzeln untreu zu werden oder verleugnen zu müssen. Mit dem aktuellen Album "Dann hab ich umsonst gelebt" sind sie just auf Platz #48 in die German Verkaufs-Charts eingestiegen (heut ist es offiziell von Alexander Strom (TRISOL) gemailt!) Ob das professionell auf der Bühne rüberkommt, darüber brauch ich jetzt eigentlich gar keine Worte mehr zu verlieren. Neben den Songs vom neuen Album erlebten wir mit zuätzlicher Instrumentierung des JANUS-Streicher- und Gitarren-Ensembles ebenso die LAM-Klassiker von "Changes" bis "Another Day". Wer es nicht einmal miterlebt, hat "Umsonst gelebt".

2. Um die Jahreszeit mit der Enge eines Nightliner-Busses quer durch halb Europa zu touren, bringt natürlich die Gefahr mit sich, daß ein eigeschlepptes Virus kurzum das ganze Lineup infiziert. So haben neben RIG auch Sonja, Hannes und Thomas uns eine absolut überzeugende Show abgeliefert, obwohl sie warscheinlich jeder Arzt sofort ins Bett geschickt hätte. Und als unserer "Red Sonja", der "Meerjungfau" der Gothicszene bei der Zugabe "Life will never be the same again" letztendlich die Stimme versagte, erntete sie unter Standing Ovations (ach was, es standen eh alle dicht gedrängt vor der Bühne) mit einem gewaltigen Instrumental-Soundtrack Symphatie von jeder anwesenden Menschenseele. Es war wirklich ein Moment, wie man ihn nur ganz selten erlebt bei einem Konzert. Sonja hat wirklich alle gegeben und für einen Moment erschien es, als wir alle teils mit ihr leidend, teils vor Begeisterung miteinander verschmolzen! Absolut ergreifend, ehrlich, menschlich! Und Sonja brachte es fertig den Song mit ihrer goldenen Stimme zu beenden und uns noch eine Zugabe zu schenken!

3. Nun mein dritter Grund ist ein höchst persönlicher, denn selten bin ich als kritischer Review-Schreiberling so herzlich empfangen worden und durfte an ein einem Festival-Event teilnehmen, an dem sich die beteiligten Band, trotz der widrigen, gesundheitlichen Umständen so kollegial, will sagen familliär gegenüber verhalten haben, daß es eine Freude war.

Abschließend will ich das STORM & SILENCE-LiveReview mit der Erwähnung einer Person, die alles über das klangtechnische Niveau dieses Events sagt: hinterm Mischpult saß (und es war ein freudiges Wiedersehen meinerseits) kein geringerer als Toni Strohwach, der uns beim GARDEN OF DELIGHT -Mix die Wasserburg Geretzhoven zum Wackeln gebracht hat! Fazit: ein unvergesslicher Tag im Universal D.O.G!

Und hey! Die Tour läuft noch bis 17.02.! Also schnell noch miterleben, es lohnt sich, wirklich!

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Anmerkung: Die hier abgebildeten Photos sind Archivbilder..
- ritchie aus der GOTHICWORLD



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