exclusive interview:
The Dreamside, der Mond als Spiegel des eigenen Selbst.
Live-Interviews
sind doch am Besten, weil es macht so viel Spaß, man kann herrlich
improvisieren und auf Situationen eingehen ... , nur das Abhören des
Diktiergerätes ist ein undankbarer Job in Anschluß! Aber im Falle
von THE DREAMSIDE ist es eine besondere Freude, den Kemi Vita kann nicht nur
bezaubernd singen, sondern in ihrer sympatischen holländisch deutschen
Redensart eine mindest genauso interesante, wie direkte
Gesprächspartnerin. Roman, seinerseits verrät uns nicht nur viele
Details zu THE DREAMSIDE, sondern auch zu seiner Arbeit bei THE BLOODLINE und
SILKE BISCHOFF. Wir trafen uns am 25.Mai zur "Mirror Moon" - Releaseparty in
der Stuttgarter Röhre:
GW: Hallo Kemi, Roman! Glückwunsch
erstmal zu dem tollen neuen Album und zu der gelungenen Party hier! Ladies
first, Kemi, erst mal eine Frage an dich: Du hast THE DREAMSIDE
schließlich auch ins Leben gerufen, erzähl uns doch bitte etwas von
deinem musikalischen Background und wie alles angefangen hat mit THE DREAMSIDE.
Kemi: Also ich habe schon immer
gerne gesungen und so bin deshalb auch schon früh und gerne auf die
Bühne gegangen. In den ersten Bands hab ich so mit 16 gesungen und dann
war es auch bald THE DREAMSIDE geboren.
GW: Hast du eine klassische Gesangsausbildung?
Kemi: Nein, ich hab einfach immer
nur drauflos gesungen und habe dann aber Bassgitarre gelernt, das geht ganz gut
gleichzeitig mit dem Singen. Erst später hab ich Gesangsuntericht
genommen, denn ich wollte lernen noch mehr aus meiner Stimme zu machen. Ich hab
erst immer so ganz tief gesungen und habe darurch aber herausgefunden,
daß es alles noch sehr viel hoher und klarer geht. Das war mir vor dem
klassischen Unterricht nicht so bewußt.
GW: Aber du wußtes von Anfang an, die
Richtung der Musik die Du machen wolltest? Von Anfang an dein
Ding? Kemi: Ja das war einfach mein
Ding. Dabei hat sich recht schnell rausgestellt, daß ich von der
Gothic-Szene den meisten Zuspruch erhalten habe.
GW: Nun sind Roman und Cees mit im Lineup.
Kemi: Und Fried!
GW: Ja stimmt, überall sieht man Euch nur
zu Dritt! Aber eigentlich sind bei THE DREAMSIDE vier Musiker am
Werk! Roman: Das Problem ist das THE
DREAMSIDE sehr versteut ist. Holland, Deutschland, das ist halt nicht gerade um
die Ecke. Grad der Cees, der Gitarrist ist natürlich immer bei Konzerten
oder Studiosessions dabei , aber gerade den Termin zur Fotosession dieser CD
ging es terminlich nicht, somit taucht er auf den Bildern leider nicht mit
auf.
GW: Roman, du bist ja auch
kein Unbekannter in der Musikszene. Da war dein Part bei Pyogenesis, dein Name
fällt im Zusammenhang mit Liquido, Shock Therapy und Silke Bischoff.
Roman: Gut, Pyogenesis. Ich war vier
Jahre Bassist bei Pyogennesis, davor war ich Keyboarder bei Pyogenesis,
bloß tauch das bei Aufnahmen der Band nicht auf. Ich hab halt die
Tourneen der Band mitgemacht. Dann halt meine Tätigkeit als Produzent und
im Studio, wo wir mittlerweile auch ein paar bekannte Namen drin hatten.
GW:Bei Silke Bischoff ward ihr
ja auch zusammen mit dabei. Kemi hat ein paar herrliche Backgroundvocals zu
"Phoenix In The Sky" aufgenommen. Kemi: Ja stimmt!
GW: Wie ist denn die Zusammenarbeit
abgelaufen? Roman: Fröhlich!
(lacht)
GW:Felix Flaucher hat mir
ja schon gesagt, Roman wäre ja schon ein heimliches drittes Bandmitglied
von SILKE BISCHOFF? Roman: Die Sache
mit SILKE BISCHOFF muß man sehen, läuft ja nun schon einen Zeitraum
von drei Jahren. Die beiden sind immer wieder mit neuen Songs und Ideen
gekommen und wir haben dann zusammen die Arrangement durchdacht, die Keyboards,
die Beats und so weiter. Ich machte meine Vorschläge dazu uns so sind die
Songs zu "Phoenix From The Flames" zusammen erarbeitet worden.
Anschließend bin ich dann mit dem ganzen Material nach Münster
gefahren und hab es zusammen mit John Fryer abgemischt. Nächste Woche geht
es schon wieder weiter mit der zweiten Single. Ein Remix von einem Song vom
Album und neues Material.
GW: Na,
da sind wir doch gespannt, sind wir doch! Zum aktuellen Album "Mirror Moon",
das viele hier zu ersten mal hören konnten. Im Vergleich ist es ja einiges
kraftvoller geworden, als sein Vorgänger "Apaika". Mehr Gitarren, mehr
moderne Electro-Elemente, ... Entspricht es Eueren Erwartungen, seid ihr selbst
zufrieden mit dem Dargebotenen? Kemi: Ja sehr, es ist nun wirklich das Ding von
Jetzt, der Stand unserer musikalischen Sicht der Dinge! "Mirror Moon" ist
wesentlich mehr extrovertiert als noch "Apaika", das sehr in sich und seine
Gefühle gekehrt war, mit wesentlich mehr Kraft nach draußen um zu
zeigen, wir sind hier! Roman: THE
DREAMSIDE waren live immer schon einiges härter, als es auf den CDs. So
sind nach den Shows die Leute zu uns gekommen und sagten, daß sie die
heftigen Gitarren gar nicht erwartet hätten, aber sie fandens gut. So
haben wir uns für "Mirror Moon" vorgenommen, mit offenen Karten zu
spielen, daß das was live nachher auch da sein wird, schon von der Platte
spürbar zu machen.
GW: Das
Album ist ja stilistisch sehr vielseitig ausgefallen, da gibt es sehr
kraftvolle Sachen wie den Tilelsong oder "Get Away" und auf der anderen Seite
viele atmosphärische, meditative Stücke. Welches ist den Euer
Favourit? Kemi: Ich find "Mirror
Moon" den Titelsong richtig schön, er erzählt genau das was ich
eigentlich ausdrücken will mit dem gesamten Album.
GW: In Eueren Texten geht ihr ja sehr
leidenschaftlich mit Themen Leben, Tod, Liebe, etc. um. Und der Mond hat eine
Schlüsselrolle auf "Mirror Moon" auch in Eurem Leben? Kemi: Ja natürlich, das sind schon eigene
Gefühle. Wenn du nachts alleine bist mit dem Mond, zu ihm emporsiehst,
dann ist es wie ein Blick in den Spiegel. Du siehst die unverblümete
Wahrheit deiner Selbst, frei von Moralismus und Selbsttäuschung. Es ist
die unmittelbare Selbstreflexion, der Spiegel deiner wahren Seele und du siehst
selbst, ob du auf dem richtigen Weg bist um mit deinem Leben klar zu kommen.
Das mit seinen Erfolgen und Niederlagen ist eigentlich das Thema des ganzen
Albums.
GW: Wie läuft das
Songwriting bei Euch ab? Gibts da eine Rollenverteilung, was Texte und
musikalische Ideen angeht? Kemi:
Ja, Roman ist so ein musikalisches Genie, das ich brauche für die Musik.
Meist reich ein Akkord, ein Groove oder eine Melodie mit den richtigen Vibes
und dann fang ich an zu singen. So entwickelt sich eigentlich jedes Lied bei
uns. Alles weitere ist Interaktion, aber ich brauche schon immer jemand der
mich herausfordert und da ist Roman der Beste! Roman: Meist kommt Kemi mit irgenwelchen Ideen
und Themen, in die ich mich versuche mich musikalisch hineinzuversetzen und
umzusetzen. Und so entwickeln wir die Sachen dann zusammen weiter, wiegelt sich
gegenseitig auf und sucht am Ende das Beste zusammen heraus und so entsteht
dann ein Song. Dabei kann sich das wirklich nur mit Akustik-Gitarre und Gesang,
oder aber rein am Computer passieren, es ist da alles offen.
GW:
THE DREAMSIDE klingt ja verdammt vielseitig, aber auch erfreulich
eigenständig. Aber welche Musik hat Euer Schaffen am ehesten
beeinflußt? Roman: Sowohl
Kemi als auch ich sind für alle möglichen Musikarten offen und das
ist dann wohl auch die Vielfalt die bei unserer Musik einfließt und
rüberkommt. Ich denke, dadurch kann eine Kreativität überhaupt
erst fließen. Es war nie unser Ding, ausschließlich Gothic-Musik zu
machen, deshalb ziehen wir uns nicht ausschließlich Gothic-Bands rein und
lassen uns ausschließlich davon beeinflußen. Es ist halt ein
großer Teil von. Kemi: Wir
hören auch viel kulturelle Weltmusik und klassische Musik. Auch viel
elektronische Sachen und natürlich auch Metal, laute harte Sachen und
leise Töne, irgendwie fließt das dann alles zusammen.
GW: Neben THE DREAMSIDE gibt es ja auch noch
die Band THE BLOODLINE, in der ihr beide ganz andere, wesentlich härtere
Musik macht. Lohnt sich der Aufwand, zwei so gegensätzliche Projekte
parallel zu betreiben? Roman: Also
THE BLODDLINE ist wirklich eine ganz persönliche seperate Geschichte. Die
gab es schon bevor ich bei THE DREAMSIDE war und ich will mit THE BLOODLINE
weiter puren Metal machen, wobei THE DREAMSIDE stilistisch einfach noch ein
wenig breiter gefächert und offener ist und sein wird.
GW: So eine bisschen helle und dunkle Seite
der Musik? Roman: Nein, würd
ich jetzt gar nicht mal sagen, weil THE DREAMSIDE auch schon seine hellen und
dunkelne Seiten in sich birgt und THE BLOODLINE von vorherein nur dunkel ist
(lacht). Kemi: Bei dieser
Metalgeschichte THE BLOODLINE von Roman, sehe ich meine Rolle als Bassistin und
Sängerin eher unterstützend, aber trotzdem sehr wichtig und
erfüllend. Ich unterstüze Roman da wo er es will und braucht.
Manchmal mit noch mehr Arbeit verbunden, als bei meinem Hauptprojekt THE
DREAMSIDE. Roman: Es sind jetzt auch
gerade beim letzten THE BLODDLINE-Album viele Leute auf mich zugekommen, die
gesagt haben, "Hey, die Musik, THE BLODDLINE ist super, aber hör doch
bitte auf mit diesen Grunts und so!". Das animiert mich aber eigentlich nur
dazu, noch extremer weiter zumachen damit und THE BLOODLINE. Mehr davon im
Herbst diesen Jahres.
GW: THE
DREAMSIDE ist sicher auch eine Liveband. Wo kann man Euch dieses Jahr auf der
Bühne erleben? Kemi: Ja
bestimmt! Im Oktober wird es eine Clubtour durch mehrere deutsche Städte
geben und auch ein paar Gigs in Polen. Und schon recht bald auf dem
Wave-Gotik-Treffen am Samstag in der Moritzbastei.
GW: Und was plant ihr für die Zukunft?
THE DREAMSIDE, THE BLOODLINE, ...? Was steht an? Roman: Es kommt jetzt erst mal eine
Compilation-CD für die USA bei DANCING FERRET RECORS heraus, mit vier
Stücken von "Mirror Moon" und zwei Remixes von angesagten US-DJs,
eventuell ein kleiner Videoclip und dann eben noch sieben Songs von den
älteren Alben, sowie zwei unveröffentlichte Stücke. VÖ ist
wohl im September. Und dann werden wir mal sehen, daß wir mit der neuen
CD anfangen. Ganz bestimmt wird es dieses Mal keine so lange Wartezeit geben,
wie es von "Apaika" bis "Mirror Moon" war. Kemi: Und wir haben eine Coverversion eines TYPE
O NEGATIVE-Songs für die demnächst erscheinende "Tribute to TYPE O
NEGATIVE" gemacht. Richtig schön geworden, richtig stolz
darauf!
GW: Mit welchem
Künstler würdet ihr gerne einmal zusammen arbeiten, wenn sich die
Möglichkeit anbieten würde? Roman:
John Fryer (lacht). Kemi:
Lach nicht, das machen wir. John hat mich gefragt, zu seinen Songs zu
singen. Roman: Ja, John Fryer schreibt
ja auch eigene Sachen und wir haben drei Songs in der Vorbereitung, wofür
Kemi auch die Texte geschrieben hat. Aber was damit passiert, wissen wir jetzt
noch nicht. Ist noch zu früh. Ansonsten Künstler mit den ich gerne
zusammenarbeiten möchte .... Es ist immer das Problem, wenn du einen
guten, bekannten Künstler hast, der ist dann immer sehr exzentrisch und
das ist eher schlecht fürs Arbeitsklima. Die Erfahrung hab ich halt machen
müssen.
GW: Wenn, dann
ergibt es sich, oder man triff ja auch immer wieder völlig unbekannte
Leute, mit denen ein fruchtbare Zusammenarbeit wachsen kann. Roman:
Ja sicher, aber die kenn ich ja nicht und deßhalb kann ich dir
die Frage auch nicht beantworten. Kemi:Ich wollt nur nur ganz kurz dazu bemerken,
daß ich mich immer auf Zusammenarbeit mit anderen Künstlern freue,
denn ich brauche die vibe und die Energie von anderen Musikern. Ich muß
sagen da gäbe es schon mehrere auf meiner Wuschliste, das muß die
Zukunft offenbaren. Vielleicht mal ein Duett mt einem begnadeten Sänger,
wär auch nicht schlecht. Vielleicht Veljanov?
GW: Tja, kommen wir zu unserer
berüchtigten Inselfrage. Welche drei Sachen würdet ihr mitnehmen auf
eine einsame Insel? Kemi:Auf
jedenfall einen kleinen Recorder, damit ich meine Ideen festhalten kann, dann
mein Hund und meinen Freund! Roman: Was
soll ich sagen, bei mir läufts aufs Gleiche hinaus: meine Musik, meine
Freundin und mein Hund!
GW: Ja,
ich danke Euch für die Zeit, die Ihr Euch für unsere Fragen genommen
habt und wünschen Euch viel Erfolg mit "Mirror Moon" und noch eine gelunge
Party heute abend! Ritchie
für GOTHICWORLD
THE DREAMSIDE im
Internet: www.dreamside.nl
Das CD-Review zu "Mirror Moon" gibts
hier ! |