CD-Reviews
Dying of Utopia    ANUBIS:
"Dying of Utopia" CD

 
Es ist schon schwer, als aufstrebende Band Gehör zu finden in diesen Tagen. Und wenn man nicht gerade gängige, gefällige Popmusik macht, sondern sich vielmehr dem Gothicrock verschrieben hat, betimmt um so mehr.
ANUBIS ist sicher solch eine Band. Sie arbeitet hart an Songs und Konzepten, abseits von belanglosem Radioeinerlei. Macht sich Gedanken und versucht, so gut die technischen und finanziellen Mittel erlauben, Träume in Musik umzusetzen. Die musikalischen Fähigkeiten und der Spaß an dem Zusammenspiel ist unüberhörbar vorhanden. Aber was nützt alle Begeisterung, alles mühsam Erarbeitete, wenn man sich nur wenige Studiotage leisten kann, um alles was man audrücken will rauszulassen? - Eine Gefühl, daß wohl jede aufstrebende Band zu genügend kennt. Aber wenn man über produktiontechnische Mängel hinweg sehen kann, erkennt man gerade bei ANUBIS zweiter eigenproduzierten CD "Dying of Utopia" ein Potential, das an Ideen und beachtlichen Ergebnissen gerade so strotzt.
 
Zum einen versucht die siebenköpfige Truppe ein inhaltliches Konzept, dem Sterben der Utopien einer ganzen hoffnungsträchtigen Generation musikalisch zu erzählen, zum anderen zeigt ANUBIS mit einer musikalischen Vielfalt an Stimmungen und Melodien, daß sie es auch draufhaben, es gekonnt umzusetzen.
 
Gleich der Opener "Life remains in me" überzeugt mit Ausdruckskraft und durchdachten Spannungsmomenten und zeigt, wieviel Leben in ANUBIS drin ist. Klassisch-angehauchte Powerrockelemente wechseln sich gekönnt ab mit gefühlvollen Passagen, getragen von der unglaublichen Stimme von Barbara Volpert. Beim nächsten Song "Wolf Song" steigert sich der Progressivanteil noch mehr und auch Barbaras männlicher Gegenpart Jan Bairlein beweist seine stimmliche Vielfalt mit herrlich bösen Refrains. Bei "Alienations" wird noch mehr mit den stimmlichen und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten experiementiert, aber der erste wirkliche Oberhammer ist " Forever until we die". Hier kommt auch zum ersten Mal die Mitwirkung der Gastmusikerinnen Christiane Myer (violin, flute, harp) und Johanna Zur (cello) zum Tragen. Wunderschön traurige Atmosphären und der Rest ist symphonisch-beflügelnder Powerrock!
 
"The Others" gleicht wiederum einem von Klavier- und Harfenspiel getragenen, gesprochen, gesungenen Gedicht, absolut überwätigend: das Violinensolo und natürlich Barbaras Stimme(n). Dann steigert es sich nochmals, als ob Himmel und Hölle sich kurz begegnen und endet in süßem Flötenspiel. Ich bin schon hin und weg!
AnubisBei "Dawn of Fear" zeigt es sich, daß sich gewählte Stilmittel leicht überstrapazieren: die bösen (männlichen) Voals und die lieblich (weiblichen) Engelszungen-Refrains. Schon zu oft in dieser Form dagewesen. "Feeling me again" versöhnt aber wieder mit einem ausgewogenen Verhältnis eben genannter Stilmittel. "God Machine" setzt dem nochmal in Sachen Power eins drauf und das abschließende "Soma" ist wie das beschwörende Abendgebet für die nächste Generation, nicht die gleichen Fehler zu begehen, wie wir alle. Gleichsam klingt es vielversprechend modern, was uns in Spannung auf die neuen Aktivitäten von ANUBIS macht.
 
Mein Fazit: Herzergreifender Gothicrock mit Herzschmerz geschrieben, wie ich ihn zuletzt bei Bands wie DREAMS OF SANITY oder THEATRE OF TRAGEDY verspürt habe. Jedenfalls wenn ANUBIS die Chance kriegen sollten, das leisten zu können, was sie instande sind, wirds ein Stern am Gothic-Himmel!
Mein Wort!
 
"Dying of Utopia" - Tracklist:
     
01. Life remains in me 5.33
02. Wolf Song 6.25
03. Alienation 6.41
04. Forever until we die 7.00
05. The Others 6.24
06. Dawn of Fear 5.47
07. Feeling me again 3.25
08. God Machine 6.09
09. Soma 3.35

 
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ritchie für GOTHICWORLD