Exclusive Interview:


Sandra Schleret

DREAMS OF SANITY

Ritchie aus der GOTHICWORLD im Gespräch mit der charmaten Sängerin Sandra Schleret von DREAMS OF SANITY über das neue Konzeptalbum "THE GAME", die Ups and Downs im Bandgefüge, ihre Zusammenarbeit mit HALL OF SERMON, das Internet und MP3, und die nähere und ferne Zukunft der aufstrebenden Band aus Österreich.


GW: Hallo Sandra. Nach langer Wartezeit für alle DREAMS OF SANITY-Fans erscheint in diesen Tagen endlich Euer neues Album "The Game". Aber die Ereignisse scheinen sich bei Euch ja wirklich zu überstürzen, dann erneut hat sich das Bandkarusell bei DREAMS OF SANITY gedreht. Euer Drummer Harald hat die Band verlassen. Hat es mit seinen Problemen zu tun, die ja schon im im letzten Jahr zum Canceln Eurer "Masquerade"-Tour geführt hat (Harald ist an den Handgelenken operiert worden)? Was sind die Hintergründe?

[Sandra]: Eigentlich hat uns Harald nicht aus gesundheitlichen Gründen verlassen, sondern aus persönlichen. Wir haben uns einfach nicht mehr so gut miteinander verstanden, und es gab dann einige Vorfälle die dann allen Beteiligten klargemacht haben, dass es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Unser neuer Schlagzeuger heißt Patrick Schrittwieser und passt meiner Meinung nach sehr gut zu uns, sei es musikalisch oder persönlich. Ausserdem haben wir auch einen neuen Keyboarder, er heißt Florian Steiner und hat Frederic Heil ersetzt. Es ist eben nicht so einfach Leute zu finden, die auch wirklich in die Band passen und sich dort wohl fühlen bzw. mit denen auch wir uns wohlfühlen.

GW: Nun zu dem neuen DOS-Album "The Game". Nach der musikalischen Umsetzung von klassischen Vorlagen Dante Alighieri´s "Göttliche Komödie" und dem Geniestreich mit der Interpretation von "Phantom der Oper" von Gaston Leroux habt ihr nun mit "The Game" versucht eine eigene Geschichte musikalisch aufzuarbeiten. Erzähl uns bitte was über die Geschichte auf "The Game"

Sandra Schleret[Sandra]: "The Game" ist ein Schauspiel, das dem Zuschauer (dessen Rolle der Zuhörer mit einlegen unserer CD übernimmt) bei jedem Hören aufs neue vorgeführt wird. Das "Stück" das aufgeführt wird (das "Innere" des Konzepts) ist das Leben des Akteurs. Es beginnt mit der Geburt ("The Beginning that lies"), erzählt eine Liebesgeschichte...oder war’s ein Traum? ("The Empress - through the Looking lass...a dream"). Erzählt vom Gedankenspiel mit dem Selbstmord ("A Window to the Sky"), von der Entscheidung zum Leben ("And so...I walk on"), und schließlich vom Ende jedes Lebens, dem Tod (We.ll.sea). Es gibt auch ein "äußeres" Konzept, das dem Zuhörer anspricht ("The Creature that you came to see" + "The Creature that you came to see...Reprise"). Es bindet ihn ins Geschehen ein, nimmt ihm die Unschuldigkeit des passiven Konsumierens, da er ja mit jedem Einlegen der CD den Akteur auf die Bühne "zwingt", also das "Stück" wieder erneut aufzuführen, und alle Höhen und Tiefen seines Lebens wieder zu erleben, zu durchleiden.

GW: Die "Kreatur", der Protagonist auf "The Game", von dir gesungen, aber eigentlich androgyn, stellvertretend für alle Menschen, eine erfundene Figur oder was hat Euch zu dem Konzept beflügelt? Woher nimmt man die Ideen zu so einer genialen Geschichte? Und wie läuft das Sonwriting bei Euch ab?

[Sandra]: Die Texte schreibt alle Michael, somit ist er auch der "Vater" des Konzepts. Es ist so dass wir uns immer wieder über dieses Thema unterhalten haben, manchmal erzählt auch jemand Michael eine Geschiche, wie's bei "The Empress - Through the looking Glass" der Fall war. Aber das Konzept schreibt Michael alleine. Dann gibt er die Texte den Songwritern (bei "The Game" waren das Christian, Andereas und Frederic), die das Ganze dann auf sich wirken lassen und versuchen, die Emotionen die dabei in ihnen hochsteigen, musikalisch umzusetzten.

GW: Könnt ihr Euch eigentlich vorstellen, mal einfach nur einen 4-Minuten-Song zuschreiben, ohne gleich das Konzept einer Full-Time-CD brauchen zu müssen, um Euere Ideen rüber zu bringen, oder seht ihr einfach mehr Sinn darin, musikalisch wie thematisch komplexe, tiefgründige Geschichten zu vertonen, die sich über mehrere Songs zu einem Gesamtwerk erstrecken?

[Sandra]: Naja, ich persönlich stelle es mir eher unbefriedigend vor, eine Geschichte die man im Kopf hat in 3 Strophen und 2 Refrains (oder so ähnlich) zwingen zu müssen. Natürlich können wir es uns vorstellen, das haben wir in früheren Zeiten ja auch oft gemacht, aber wir konstruieren die Texte nicht nach den Songs, sondern umgekehrt, und eine gute Geschichte soll auch die Zeit und den Platz kriegen, den sie braucht.

GW: Musikalisch habt ihr Euch nicht unbedingt in Neuland hinausgewagt, sondern seid Euerem Stil treugeblieben, habt ihn vielmehr verfeinert. Diesbezüglich sei zu erwähnen, daß nun verschiedene Musiker maßgeblich an den Kompositionen beteiligt sind. Früher war das ja die Domaine von Mastermind und Gitarrist Christian Marx. Wie kam es zu dem Prozess?

[Sandra]: Nun, es war so dass auch schon bei Masquerade viel von Frederic mitgeschrieben wurde, insbesondere kamen viele der Keyboardarrangements von ihm. Ich denke auch dass es wichtig ist, immer wieder neue Einflüsse zuzulassen, da man sich sonst recht schnell in einer Sackgasse wiederfinden könnte. Mir persönlich gefällt zum Beispiel "We.ll.Sea" sehr gut, und ich finde dass es gut zum Album passt und trotzdem Abwechslung hineinbringt. Ich glaube dass es auch sehr schwierig ist eine Band zusammenzuhalten, wenn nicht jedes Mitglied ein kleines Stück von sich darin wiederfindet, und deswegen bin ich über diese Entwicklung froh.

GW: Es gibt auch Gastmusiker zu hören auf dem Album?

[Sandra]: Ja, - altbewährt - spielt JP Genkel ein spitzen Solo auf "The Creature that you came to see - Reprise" und den Bass bei "The Empress - trough the looking Glass". Ansonsten haben wir diesesmal auf Gastsänger verzichtet, obwohl ich da schon so meine (allerdings durch die Bank männlichen) Wunschkandidaten hätte.

GW: Nochmal zurück zur ersten Frage, es hat ja in den letzten Jahren einiges an Wechsel im Bandgefüge gegeben. Wie hat eigentlich alles angefangen mit DREAMS OF SANITY?

[Sandra]: Naja, Dreams of Sanity wurden 1992 (glaub ich mal, kann mir das NIE merken) von Michael und Christian gegründet, die wohnten damals sehr nahe beieinander und probten - wie sollte es anders sein - im Michaels Keller. Es war anfangs sozusagen eine Protestbewegung gegen die damalige Death-Metal Welle (daher auch der Name "Dreams of Sanity", - "dreams of a non sick mind"). Dann gab es (DoS-like) sehr viele Zu- und Abgänge, und schließlich, als wir in der "Komödia-Formation" waren, bekamen wir überraschender weise ein Angebot von HALL OF SERMON.

GW: Wie läuft eigentlich die Zusammenarbeit mit Euerem Label HALL OF SERMON?

[Sandra]: Nun, ich habe in letzter Zeit wenig Kontakt mit ihnen, das überlasse ich anderen, aber im Großen und Ganzen sind wir recht zufrieden mit der Zusammenarbeit. Schade ist nur, dass wir uns aus zeitlichen Gründen fast nie persönlich sehen, da ich das für sehr wichtig halte.

GW: Auf Eurer neuen Webpage (www.dreams-of-sanity.com) widmet ihr Euch auch ausführlich den ehemaligen Bandmitgieder von DOS. Habt ihr noch Kontakt, oder ist es eher eine Art Homage?

[Sandra]: Kontakt habe wir eigentlich keinen mehr, man grüsst sich wenn man sich sieht, aber der "Klebstoff" zwischen uns war eigentlich schon die Band, und nicht die Freundschaft. Das war in manchen Fällen eine harte Erfahrung, aber man lernt damit unzugehen. Jedenfalls fanden wir es angebracht einen Teil der HP unseren Verflossenen zu widmen.

GW: Inwieweit seht ihr das Internet wichtig als Plattform für Bands? Und wie steht ihr zu dem leidigen MP3-Thema?

[Sandra]: Internet wird immer wichtiger, ich persönlich kann mir ein Leben ohne jedenfalls nicht mehr vorstellen. Alleine schon was einem e-mails für Möglichkeiten eröffnen. Die MP3-Sache ist so: Ich verstehe sehr gut dass sich jeder seine CD gratis beschaffen will, und um sich einen Vorgeschmack auf ein Album zu holen ist es sicher auch eine gute Möglichkeit, aber wenn am Ende sich wirklich jeder die ganze CD aus dem Internet holt, dann wird's wohl nicht mehr sehr lange sehr viele Bands geben, da es für die Plattenfirmen nicht mehr gewinnbringend sein wird. Ich befürchte dass dadurch der Markt stark schrumpfen könnte. Wo kein Gewinn, da kein Angebot.

GW: Wie sieht DREAMS OF SANITY sich und und Ihre Musik heute selbst? Welche Einflüsse haben Eure Musik geprägt und wohin geht die Entwicklung?

[Sandra]: Das ist schwer zu sagen. DoS wird immer von den Mitgleidern die an einem Album mitschreiben beeinflusst, und da sich diese des öfteren ändern, ändert sich auch die Richtung etwas, allerdings bleibt es DoS. Wie hören alle sehr unterschiedliche Bands. Christian war eine zeitlang stark von Mike Oldfield beeinflusst, ist er wohl zum Teil auch immer noch, nur kann man nichts so genau herausfiltern. Ich kann eigentlich keine Prognose stellen wohin die Entwicklung geht wird, wer weiß schon was passiert. Allerdings glaube ich nicht, dass wir je einen krassen Stilbruch haben könnten.
Sandra Schleret
GW: Nun brennt es uns natürlich allen auf den Nägeln, wann können wir DREAMS OF SANITY endlich mal wieder live erleben? Denn von den Gastspielen auf LACRIMOSA´s Elodia-Tour und dem Ausflug ins ferne Mexico, war ja leider nicht viel von Euch zu sehen in letzer Zeit. Da war doch eine Tour mit NIGHTWISH im Gespräch?

[Sandra]: Naja, da wir in letzter Zeit wieder regen Bandmitgliederwechsel hatten mussten wir uns erst wieder zusammen spielen, aber wir haben eine CD Präsentation zusammen mit DARKWELL und ZERBERUS am 28.9. in Innsbruck. Die Tour mit NIGHTWISH mussten wir leider absagen da nicht alle von uns Urlaub bekamen. Mir persönlich hat das sehr sehr leid getan, weil uns wohl nichts besseres hätte passieren können. Es ist sehr schlimm wenn man seine Träume so greifbar nah hat und dann zusehen muss, wie sie einem wieder weggenommen werden. Aber wir hoffen auf eine andere Möglichkeit.

GW: Wie wird die Live-Umsetzung von so einem kompexen Konzept wie "The Game" aussehen?

Sandra Schleret[Sandra]: Wie auch bei den Vorgängern werden wir nur ein paar Stücke aufführen, nicht das ganze Album. Größte Neuerung ist wohl, dass wir jetzt eine Backgroundsängerin haben. Sie heisst Laura Angelmair und ist eine gute Freundin der Band und besonders von mir. Sie wird mit mir die Zweistimmigkeiten singen, und ich freu mich schon darauf, mit ihr wieder auf der Bühne zu stehen.

GW: Schon Pläne für ein neues Album? Ausblick auf ein neues Konzept?

[Sandra]: Ja, allerdings wird darüber noch nix verraten.

GW: Noch etwas was ihr an unsere Leser loswerden möchtet?

[Sandra]: Tja, wir hoffen dass wir viele Leute im DARK NIGHT CHAT am 3.10. treffen werden, wird bestimmt lustig.

GW: In der Tat, darauf freuen wir uns alle schon ungemein. Und ich denke, daß dieses nette Gespräch mit der kraftvollen Stimme der österreichischen Wundertruppe einen guten Vorgeschmack gegeben hat, auf das was uns im 1. DARK NIGHT CHAT erwartet. Wenn ihr schon mal reinschauen wollt, den Link zum Chat findet ihr in der GOTHICWORLD-CRYPT. Derweil könnt ihr ja nochmal eintauchen in der Homepage von DREAMS OF SANITY.
 

ritchie für GOTHICWORLD