10. M'ERA LUNA - Festval 2009: Interview mit
KRYPTERIA
"Es tut gut, seine
Emotionen, sein Innerstes nach Außen zu kehren.
"
GW: Hi Kryteria! Ihr hab
vor zwei Jahren hier beim M'Era Luna schon mal die Bühne gerockt und nun
mit fantastischen neuen Songs aus dem neuen Album bereits um die Mittagszeit
für jede Menge Power hier gesorgt. Wie fandet ihr selbst eure Show? Wie
findet ihr die Athmosphäre hier, das Publikum und die Abwicklung hinter
der Bühne?
Ji-In: "Im
Moment könnten wir kaum glücklicher sein - besonders weil wir vor
unserer Performance zugegebenermaßen schon ein wenig nervös waren.
Schließlich war das M'ERA LUNA unser erster Liveauftritt seit einem Jahr,
was der intensiven Arbeit am neuen Album "MY FATAL KISS" geschuldet war und wir
haben im Vorfeld schon ein wenig gezittert, ob das alles klappt hier. Aber das
Publikum hat uns das Gefühl gegeben, willkommen zu sein, deshalb danken
wir Euch allen hier von ganzem Herzen. Wir danken Euch für Eure
Unterstützung und Eure Energie."
GW:
Letztes Jahr wart ihr auch auf dem Wacken zu erleben. Wie war euer
Eindruck, gerade im Vergleich mit diesem Festival hier?
Chris: "Beide Festivals, das Wacken, wie hier das
M'Era Luna gehören wohl zu den wichtigsten Festivals für eine
Gothic-Metal-Band wie KRYPTERIA. Es gibt zwar Unterschiede im Lineup und beim
Publikum, aber beides sind wohl die renomiertesten und professionellsten
Veranstaltungen dieses Genres in Europa und da ist es für jede Band ein
Muß, dort einmal auftreten zu können. Wir sind sehr froh beide
Meilensteine in unserer Bandhistory zu haben."
GW: Seit euerem letzen
Album "Bloodangel`s Cry" ist ja auch genau so viel Zeit vergangen, wie seit
euerem letzten Auftritt hier in Hildesheim, bis ihr mit "My Fatal Kiss" in
diesen Tagen einen Nachfolger präsentieren könnt. Noch nach meinen
ersten Höreindrücken hat sich die Wartezeit absolut gelohnt, denn
unuberhörbar sind da gewaltige Steigerungen auszumachen, was die
ausgefeilteren Produktionen betrifft und auch die überraschende
Abwechslungsreichigkeit der verwendeten Ideen angeht. Erzählt einfach mal
ein wenig über die Entstehungsgeschichte von und hinter "My Fatal
Kiss"
Michael: "Es war uns von
Anfang an klar, dass dieses Album den weiteren Weg von KRYPTERIA prägen
und bestimmen wird. Der nächste Schritt auf der Evolutionsleiter mit uns
und unseren Fans. Wir haben uns sehr viel Zeit genommen und mit großer
Liebe zum Detail an den neuen Songs gearbeitet!"
Chris: "Es war für uns einfach wichtig
für die Entwicklung von KRYPTERIA uns diese Zeit zu nehmen. Wir hatten
keinen Druck von Seiten der Plattenfirma, schließlich haben wir für
das neue Album auch einen neuen Deal mit ROADRUNNER RECORDS abschließen
können. Das wäre aber wohl nicht so zustande gekommen, wenn wir nicht
ein Album hätten abliefern können, hinter dem jeder einzelne von uns
zu hundert Prozent steht."
Frank:
"Dies ist mit Sicherheit etwas, was die Arbeit von KRYPTERIA
einerseits auszeichnet - andererseits sorgt der eigene Anspruch aber auch
dafür, dass es manchmal etwas länger dauern kann."
Ji-In: "Wir sind uns nicht nur im Studio oder auf
der Bühne auch privat sehr nahe und entsprechend war der
Entwicklungsprozess zu "My Fatal Kiss" auch ein Sammelsurium aus Ideen und
Situationen, die wir zusammen erlebt haben. Und gemeinsam wollten wir das mit
den besten Möglichkeiten, die wir zu Verfügung hatten, zum Ausdruck
bringen. Jeder von uns sollte sich darin voll und ganz wiederfinden
können. Das war nicht immer einfach und brauchte seine Zeit, aber jetzt
sind wir alle sehr, sehr zufrieden mit dem Ergebnis."
GW: "Ambivalenz als Königsdisziplin" hab
ihr das inhaltliche Konzept von "My Fatal Kiss" umschrieben, also das
Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und
Wünschen, das Hin- und Hergerissensein zwischen Himmelhochjauchzend und zu
Tode betrübt sein, womit ihr den Zeitgeist in Mitten von globalen Kriesen
und Problemen wohl genau auf den Kopf getroffen habt. Okay, das Aufzeigen von
Widersprüchen und Doppelmoral ist das eine, meint ihr daß wir
wirklich so schwach sind, daß wir uns immer für den einfachsten Weg
entscheiden, und uns am Ende der Dunkelheit und Ausweglosigkeit, die uns umgibt
ergeben müssen?
Chris: "Nun
ich denke, das das alles Fragen sind, mit denen sich jeder von uns
beschäftigt, wenigstens die Höhrer der Musik unseres Genres. Das
Aufzeigen der Ausweglosigkeit ist wahrscheinlich eine Pflicht, wenn man sieht,
was die meisten Menschen aus ihrem Leben machen und wie es um die Zukunft
dieses Planeten bestellt ist. Möglicherweise ist es eben so, daß
erst alles zusammenbrechen muss, daß aus den Ruinen etwas Neues entstehen
kann. Wir wissen es nicht. Wir haben weiterhin Hoffnung für uns selbst und
für die Menschheit, sonst würden wir das alles ja gar nicht
machen."
Ji-In: "Der Albumtitel `My
Fatal Kiss` repräsentiert für mich diesen typischen inneren Engel/
Teufel-Konflikt; den Augenblick des schicksalhaften Kusses zwischen Gut und
Böse, in dem sich alles entscheidet im Leben. Aus meiner Sicht bekommt man
immer wieder die Chance, zwischen zwei Wegen auszuwählen. Jeder ist frei,
sich für seinen ganz persönlichen Weg mit den entsprechenden
Konsequenzen zu entscheiden. Ob man dies nun Schicksal oder wie auch immer
nennen mag. "My Fatal Kiss" bedeutet für uns nicht zuletzt eine Art der
Therapie. Es tut gut, seine Emotionen, sein Innerstes nach Außen zu
kehren. Sehr oft sieht man erst dann viel klarer, wenn man seine oftmals
diffusen Gefühle und Stimmungen in Worte gefasst und formuliert
hat!"
GW: Krypteria wurde ja , was
viele vielleicht gar nicht wissen, ursprünglich 2003 als ein
Musical-Konzept gegründet. Ji-In Cho ist ja erst 2005 in die Band
eingestiegen. Christoph erzähle uns als Gründungsmitglied doch mal
aus dieser Zeit.
Chris: "Alles
began damals mit einem Traum, einem realen Traum, nicht mit dem
unzusammenhängenden Zeug, das wir sonst so zusammenträumen. Es war
eine komplette Geschichte. Um den Inhalt kurz zu umreißen, erzählt
das Musical die Geschichte des jungen Liebespaares Erik und Melissa, das durch
einen alten Mann ein Amulett bekommt. Kurze Zeit später wird Melissa
getötet. Erik begibt sich in die Welt "Krypteria", die Welt vor der
endgültigen Erlösung. Dort warten hunderte Seelen darauf, endlich den
Weg nach "Magnavia", dem Land der ewigen Erlösung zu beschreiten. Das Tor,
an dem dieser Weg beginnt, wurde aber durch drei Flüche versiegelt,
ausgesprochen von Vrakulus Mortok. Mit Hilfe des alten Mannes und der weisen
Lisette wollen sie diese Siegel brechen. Jedoch ist dies nicht ganz einfach,
denn die zunächst freundlich gestimmte Gula läuft zu Vrakulus Mortok
über. Jedoch enthüllt das Amulett des alten Mannes, Bragu, wie die
Flüche gebrochen werden können. Michael, unser Drummer war ja in der
Theaterszene engagiert und so haben wir die Geschichte damals, mit Sylvia
González Bolívar als Sängerin und vielen anderen Darstellern
veröffentlicht und auch auf die Bühne gebracht. Daraus entstand die
Idee, KRYPTERIA als Band weiter zu entwickeln."
GW: Dann gab es auch ein Highlight mit recht ernstem
Hintergrund, als nach der Flutkatastrophe vom 26. Dezember 2004 RTL den Song
"Liberatio" für ihren Spendenaufruf auswählte. Alle Einnahmen aus dem
Verkauf der Single flossen ebenfalls Hilfsorganisationen zu.
Michael: "Ja, es war uns, als wir erfahren haben,
was da passiert ist, ein Befürfnis irgendwas für all die Menschen zu
tun und wir sind froh darüber, mit diesem Song den Menschen, den Opfern
und deren Angehörigen zumindest unser Mitgefühl übermitteln zu
können."
GW: Ja
und dann war ja Ji-In Cho da, und plötzlich ward ihr eine
deutsch/koreanische Band. Ziemlich einzigartig eigentlich in der Metal-Szene...
Krypteria steuerte ja u.a. den koreanisch gesungenen Titel "Na Ga Ja" als
Supporterhymne für die Koreanische Fußballmannschaft bei der
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bei. Gleichzeitig wart ihr
mit Deep Purple und Subway to Sally auf Tour, habt auf vielen Festivals wie dem
Wacken gespielt. Ambivalenz und Gegensätze pägen die Band wohl schon
immer?
Chris: "Hey, du bist
wirklich gut informiert! Nach dem Musical-Projekt, stellte sich für uns
natürlich die Frage, mit welchem Sänger wir das neue Bandprojekt
KRYPTERIA angehen könnten. Da waren soviele Charaktere im Musical, damals
jeweils durch verschiedene Darsteller realisiert und entsprechend ist es ein
großes Glück, daß wir mit Ji-In eine
Außnahmesägerin fanden, die all die Facetten, die wir in unserer
Musik sehen, gekonnt umsetzen konnten."
Ji-In:
"Für mich als Sängerin einer deutschen Metalband ist es
natürlich eine Ehre, daß ich mich auf für die Wurzeln, aus
denen ich komme und mit denen ich immer verbunden bin, stark machen
kann."
GW: Im Moment habt ihr auch ein
neues Video zum Song "FOR YOU I'LL BRING THE DEVIL DOWN" aus dem aktuellen
Album abgedreht. Wann wird es zu sehen geben?
Michael: "Wir gehen mal davon aus, daß wenn
du dieses Interview veröffentlichts, das Video auch schon zu
Verfügung stehen wird. Jedenfalls noch vor dem Release von "My Fatal Kiss"
am 28.August."
GW: Und wie
sind die Tourpläne im Moment? Ihr spielt ja auf dem SummerBreeze und noch
auf den Wacken South- und Seaside-Festivals ...
Frank: "Genau, dann gehen wir Ende September auf
eine kleine Clubshow durch Deutschland und wir hoffen euch alle da wieder zu
sehen!"
Chris: "Für unsere
Album-Releaseshow am 2. September in Köln könnt ihr übrigens ein
Ticket auf unserer Homepage gewinnen!"
Ji-In:
"Und am 17.Oktober sind wir zu Gast auf dem Metal Female Voices
Festival VII in Belgien. Alle Tourdates findet ihr auf unserer
Homepage."
GW: Wichtig ist euch ja
auch immer die Fan-Nähe, das ist auch hier auf dem Festivalgelände
unübersehbar! Ihr bietet euren Fans ja auf eurer Webseite auch einen
kostenlosen Download zur Vorabsingle IGNITION an. Mögt ihr an
dieser Stelle vielleicht ein paar Worte an eure Fans richten?
Frank: "Was sollen wir sagen? Ohne euch alle sind
wir nichts! Wir brauchen euch und so sind ein paar Geschenke an euch für
uns selbstverständlich. Mit unserer Musik möchten wir unsere
Lebenseinstellung mit euch teilen. Genauso versuchen wir euch immer als ein
Teil von KRYPTERIA zu sehen."
GW:
Solche free Downloads sind sicher auch eine Reaktion auf die illegalen
Downloads aus dem Internet. Also wenn die Kids die Musik schon aus dem Netz
ziehen, dann bitteschön legal! Um in diesen Zeiten dennoch genug
Tonträger zu verkaufen, muss man sich auch beim Artwork einiges
überlegen, um einen Kaufanreiz zu bieten.
Michael: "Das ist richtig. Mir persönlich
ist es immer noch tausendmal lieber, eine schön aufgemachte CD nach Hause
zu tragen, als irgendwo schnell in paar MP3 auf die Festplatte zu ziehen.
Entsprechend haben wir uns viel Mühe gemacht ein schönes und
interessantes Artwork abzuliefern. Es gibt auch eine Limited Edition mit
zusätzlichen Songs und weiteren Features."
GW: Und nun meine obligatorische Frage zum Schluss. Was
wünscht ihr euch jetzt gerade am Meisten für euere Zukunft als
Band?
Michael: "Wir fiebern
jetzt natürlich dem Veröffentlichungstermin unseres neuen Albums am
28. August entgegen und sind erst einmal gespannt darauf, wie es von der
Öffentlichkeit angenommen wird. Dann freuen wir uns auf die Tour im
Herbst, wo wir euch hoffentlich alle irgendwo wiedersehen werden. Ja und dann
schauen wir , was die Zukunft uns bringen wird."
Chris: "Was wir uns wünschen, ist auf jeden
Fall euch noch mit vielen KRYPTERIA-Songs überraschen zu können. Wir
fühlen uns im Moment sehr wohl zusammen in unserem Bandgefüge und
haben da noch sehr viele Ideen für neue Sachen in unseren
Schubladen."
Ji-In: "Außerdem
wünschen wir uns für euch alle, das Beste für euere eigene
Zukunft und wenn unsere Lieder euch dabei begleiten können, sind all
unsere Wünsche damit in Erfüllung gegangen!"
Soweit das
Interview, und hier wie angekündigt, das neue Video: