THE GOTHICWORLD presents:
GothicWorldTreffen 2000
30.06. bis 02.07. 2 0 0 0
Wasserburg Geretzhoven
bei Rommerskirchen / Niederaussem (zwischen Köln und Neuss)

 
Pressestimmen:
 

Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 151 - Montag, 3. Juli 2000:
Totenschädel zieren das Ohr
- Geretzhoven gehörte den Gruftis


Bergheim - Sie tragen silberne Ketten mit großen Fledermaus-Anhängern und kleine Totenschädel als Stecker am Ohr. Was die Besucher des Festivals auf der Wasserburg Geretzhoven am meisten von anderen unterscheidet, ist ihre Vorliebe für "schwarze Klamotten": Rund 1000 "Grufts", "Gruftis" oder "Gothics", wie sie sich selber nennen, kamen am Wochenende täglich zum ersten "Gothicworld-Festival" in die Nähe des Niederaußemer Kraftwerkes. Viele kampierten auf einer Wiese vor der Burg. Es gebe viele Vorurteile gegen Gothic-Anhänger - allein wegen ihrer Aufmachung, berichtete Martin Braun. Der 20-Jährige trug zur schwarzen Lederhose ein weites Rüschenhemd. Auffallender an ihm war aber sein weiß geschminktes Gesicht, auf dem die dunkel geschminkten Lippen und die schwarzen Verzierungen um die Augen bis hin über die linke rasierte Kopfhälfte besonders stark zur Geltung kamen. Den Rest der kinnlangen Haare trug er nach rechts gekämmt. "Natürlich will ich mich durch mein Äußeres gegenüber der Gesellschaft absetzen. Ich kann dabei meiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen."
Totenschädel und umgekehrte Kreuze, "diese Schmuckstücke verbinden viele gleich mit Satanismus", ärgerte sich Braun wenig. Und Jasmine Ruggieri pflichtete ihm gleich bei: "Wir leben ja alle angeblich in schwarzgestrichenen Wohnungen und schlafen in Särgen.", so die 30-Jährige fast amüsiert. "Die müssten mal in meine Wohnung kommen, wie spießbürgerlich die tatsächlich aussieht." Die Düsseldorfer Beamtin trägt ihre schwarze Kleidung auch bei der Arbeit. "Mein Chef hat mich einmal gefragt, ob das nicht zu extrem sei. Ich habe das verneint und seitdem ist das kein Problem mehr." Besucher im Amt reagierten eher aufgeschlossen: "Nur im Ministerium verzichte ich lieber auf schwarz." Die meisten Gothics - der Name leitet sich von den englischen "Gothic-Horror-Romanen" - seien sehr sensible Menschen, überhaupt nicht aggressiv, vielmehr tolerant, glaubt Volker Stamer (36), Mitgründer des Internet-Magazins "GothicWorld", das das Festival veranstaltet. Mit einer Kapazität von bis zu 2000 Besuchern rangiert das Geretzhovener Festival unter den größten fünf Deutschlands. Andere wie das "Wave-Gotik-Treffen" in Leipzig seien mit über 20000 Leuten aber zu Mammutveranstaltungen geworden. Die Organisatoren wollten auf Geretzhoven daher den ursprünglichen, "familiären Charakter" wieder hervorheben, der den Treffen vor einigen Jahren ihren Reiz gab, so Stamer. DJ Mike: "Bei den großen Festivals geht es nur noch um Kohle." Auf Geretzhoven traten vor allem unbekanntere Bands ohne Gage auf. "Wir hoffen, dass sich die Veranstaltung selber trägt", meinte Stamer, "Sollten wir aber sogar Gewinn machen, geht der Erlös an Straßenkinder in Rumänien." Mike war einer von vier DJs, die am späten Abend bis in die Nacht bei den Discos in der alten Miste Musik auflegten. Zuvor waren 22 Bands in den Wirtschaftsgebäuden aufgetreten. Gothics trugen ihre Gedichte im Rittersaal vor. "Extrem gefühlsbetont" und "romantisch", das sind Eigenschaften, die Gothics zu Kult-Plätzen zieht - etwa in den düsteren Gewölbe-Keller der Burg - der "Chill-Out-Area" - eine Ruhezone, die auf keinem Festival fehlt. Zu mittelalterlicher Meditationsmusik ließen die Gruftis im Gewölbe die Seele baumeln.