Festivalbericht:




12. Wave Gotik Treffen 2003
06.06. - 09.06.2003 - Leipzig

Montag, 09.06.2003


Am letzten Tag des WGT freute ich mich besonders auf SALTATIO MORTIS, war doch deren aktuelle CD "Heptessenz" die erste Kritik, die ich für die Gothicworld geschrieben habe und die war sehr positiv. Mit ihrer einfallsreichen Bühnenshow wussten sie vom ersten Takt an zu begeistern und sicherten sich die Anwartschaft auf den Thron im Bereich Medieval-Musik. Trotz der noch folgenden Schwergewichte des Genres wurden bereits SALTATIO MORTIS stark und berechtigt umjubelt. Ihre Coverversion löste allgemeine Heiterkeit aus und trieb seliges Kinderlächeln in die blassen Gesichter: Der Klassiker "Eine Insel mit zwei Bergen" aus der Pupsburger Augenkiste. (DB)

Keinen Bock auf die obligatorischen Mittelalter-Combos in der AGRA, also mal eben unter das politisch korrekt gekleidete Burschenvolk gemischt, welches sich unweigerlich beim Treffen der Neo Folk-Bands im Haus Leipzig aufhielt. Zum Glück waren auch noch ganz "normale" Grufties da um den ganzen ein wenig den zweifelhaften Ruf zu nehmen, den dieses Genre ja nun mal leider hat. Verglichen mit früheren Jahren, erinnert sei nur an den skandalumwitterten VON THRONSTAHL-Auftritt auf der Parkbühne oder die handfeste Einlage der Antifa aus dem letzten Jahr, war die Anzahl der Buben und Mädchen mit dem korrekten Seitenscheitel bzw. dem Outfits des BDM eher gering, steht doch keine der an diesem Abend auftretendem Bands unter dem direkten Vorwurf der Political Uncorrectness, auch :OF THE WAND AND MOON: sind weit davon entfernt.

Aurum NostrumDen Auftakt machten NEUN WELTEN die mich durch ihren eher gewöhnlichen und weitestgehend instrumentalen Folk aber eher langweilten. Umso grösser die Überraschung bei den folgenden AURUM NOSTRUM, die irgendwie ganz entfernt an KIRLIAN CAMERA erinnerten. Mit ihrer Mischung aus Industrial, Elektronik und Akustik, den wechselnden Vocals und vor allem dem ständigen Wechsel der Musiker an ihren Instrumenten, verstanden sie es zumindest mich so zu begeistern, das ich gerne ein CD erstanden hätte... Die gabs aber nicht. (TS)

PARZIVALPARZIVAL danach waren so, wie man sie sich vorstellt. Die Exilrussen erinnern schon sehr stark an LAIBACH aus alten Tagen. Brachial, Bombastisch, mit Fackeln, Kreuzen, Kesselpauken, Fanfaren, E-Gitarren, einer sehr tiefen Gesangsstimme und vor allem laut. Sehr laut! Für das Haus Leipzig wohl zu laut, denn etliche flohen an die frische Luft.

Diejenigen jedoch, die blieben, wurden mit einer brillianten Show belohnt, in deren Verlauf die ex-STIFF MINERS einen bunten Mix ihrer beiden bislang erschienenden, grossartigen Alben "Anatehma Maranatha" und "Blut und Jordan" zum besten gaben. PARZIVAL füllen den Begriff der Kunst als einige der wenigen Bands dieser Tage wirklich mit Leben. Ganz grosse Show.

Lux Interna Um so beschaulicher, ruhiger und intimer ging es dann bei LUX INTERNA zu, die von Akustikgitarre dominiert, leise bis kraftvolle Folksongs ihres "Absence And Plenum"-Albums - beinahe schon in bester Leonard Cohen-Manier - zum Besten gaben. Wie schon bei PARZIVAL war das, was Joshua Gentzke, Kathryn Cielewich und Kevin Sweet bei ihrem ersten Konzert in Europa boten, an Intensität und Gänsehautstimmung kaum mehr zu überbieten, wenn natürlich auch am entgegengesetzten musikalischen Spektrum angesiedelt. Die Stimme Joshuas, der mit seiner Gitarre unablässig über die Bühne bewegte, ist ungemein ausdrucksstark: mal flüsternd, dann wieder schreiend, zornig oder auch sanft umschmeichelnd … eines meiner ganz persönlichen Highlights dieses WGT. (MK)

Off The Wand And MoonWie zum beruhigenden Ausklang gewählt, waren :OF THE WAND AND MOON: das letzte Konzert für dieses WGT. Mit tatkräftiger Unterstützung von Matt Howden (SOL INVICTUS, SIEBEN) und Andreas Ritter (FORSETI) wurden sanfte Melodien von klarer und schörkelloser Schönheit gespielt, sinnlich und zum Träumen schön. Neofolk at it´s best. So sahen es auch die schwelgenden Zuhörer und forderten zwei Zugaben von Kim Larssen und seinen Mannen. Die zweite Zugabe bestritt Andreas Ritter am Mikro und sang "Sturmgeweiht" vom aktuellen FORSETI-Werk "Windzeit" und setzte einen glanzvollen Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Wochenende. (DB)

Sämtlichen anstehenden Abschiedsparties erteilten wir danach eine Absage, zum einen, weil die Rückreise für den nächsten Morgen zeitlich terminiert war, oder die Akkus nach vier schweissdurchtriebenen Tagen einfach leer waren. Unter dem Strich war das zwölfte WGT trotz aller Hitze ein entspanntes Festival, das dem ursprünglichen Treffengedanken, zumindest in unserem Fall, so nah kam, wie keines der besuchten Festivals zuvor. Mittelaltermarkt, Heidnisches Dorf, der Treffen-Markt, all dies zählte natürlich ebenfalls zum WGT, wie die zum Teil grossartigen Shows der Künstler und all derer, die sich dafür halten.

Dass bei über einhundertzwanzig Künstlern und Bands kein lückenloser Bericht möglich war, dürfte auf der Hand liegen und dennoch hoffen wir, unserer Chronistenpflicht wenigstens einigermassen Rechnung getragen zu haben.

Ein Lob an InMove, die es verstanden haben, dem WGT wieder neues Leben einzuhauchen und ein Dank an eine jederzeit freundliche und hilfsbereite Security. Das erlebt man leider nich bei jedem Festival dieser Grössenordnung.

Auf ein Wiedersehen in Leipzig
vom 28. - 31. Mai 2004 zum 13. Wave Gotik Treffen,
wir freuen uns schon …


(Daniel Bartsch, Nicola Baumann, Carsten Buchhold, Michael Kuhlen, Thomas Sabottka, Simone Schröter) www.obliveon.de / www.the-gothicworld.de
Photos: Michael Kuhlen, außer letzeres (www.zillo.de)


Die WGT-Tage im Einzelnen:

[ Freitag, 06.06.2003 ]

[ Samstag, 07.06.2003 ]

[ Sonntag, 08.06.2003 ]

[ Montag, 09.06.2003 ]

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