Festivalbericht:


13. Wave Gotik Treffen 2004
Pfingsten - Leipzig



Freitag, 28.05.04



PaperzoneEISBRECHER und UNHEILIG ließen wir links liegen um in der benachbarten PAPERZONE der allerliebsten BIBAs gleich den ersten 2 Weltpremieren beizuwohnen. Ladentisch-Premiere für die CD von LA DEUXIÈME CRÉATION und der Herr der Worte auch noch gleich mit einer Lesung seines neuen Buches am Start. Thomas Sabottka also nicht nur in Diensten von Gothicworld & Obliveon zwischen Christian Schönwetter und Oliver Martin Ligneth-Dahm... Altbier und Kölschem Gerstensaft. Im sehr beschaulichen und gutsortiertem Ladengeschäft war bei den Lesungen leider nur begrenzte Platzkapazität, so dass nur rechtzeitig erschienenes oder den Schreibern namentlich bekanntes Publikum hinein passte. Ein Umstand, der das ganze familiärer und spontaner machte. (IK)


ElisDen Anfang mit NEON DREAM und ASHES YOU LEAVE haben wir leider am Freitag auf der Leipziger Parkbühne verpasst. Aber ELIS lieferten dann als Vorreiter des damendominierten epischen Metals, die nicht ganz so gelungene Vorlage für das weiter kommende. Die Liechtensteiner (formerly "ERBEN DER SCHÖPFUNG) um Goldkehlchen Sabine Dünser, präsentierten vornehmlich Material ihres letzten Albums " God´s Silence - Devil´s Temptation". Bei wunderschönem Sonnenschein konnte ELIS leider nicht so richtig überzeugen.

After ForeverDas wurde aber ganz anders, als AFTER FOREVER auf die Bühne kamen. Egal ob Sonne oder Dunkelheit, bringen die Niederländer mal eben locker das volle Brett der Begeisterung auf die Bühne. Knackarsch Floor Jansen im engen blau-schwarzen Lackbody, hatte schon kurz nach Beginn die Parkbühne voll im Griff. Leider standen AFTER FOREVER im Leipziger Stau und konnten so keine Zugaben geben, aber so kosteten sie die Zeit, die sie hatten eben voll aus. Alle Auftritte wurden mitgefilmt, was dem Bassisten fast zum Unglück wurde, da der Kameraarm ihn beinahe auf die Zwölf getroffen hätte. (Beim Bangen hat er es gar nicht mit bekommen). Das Stück mit Pipi Langstrumpf Einlage, beendete den wirklich grandiosen Auftritt der Truppe - leider viel zu früh. Aber der eng gestrickte Zeitplan drängte mit EPICA, die aber nach dieser Vorlage der Holländer das Publikum nicht wirklich zu überzeugen vermochten. Da half auch nicht der - wirklich - beeindruckende Brustausschnitt der Sängerin.

EpicaDann folgte eine atemberaubende Umbaupause, bevor endlich HAGGARD die Bühne entern konnten. Mittlerweile hatte sich das Auditorium gut verdoppelt und es gab nur noch wenig Platz zum Luftholen. Klar, das diese Megaband (in punkto Musiker) länger zum Soundcheck braucht, aber fast eine Stunde, das war dann doch sehr öde. Und als HAGGARD endlich loslegten, war es langweilig und brachte live wirklich nicht das Potential der Band zum Vorschein. Alle Beteiligten wirkten eher müde und bestrebt, das Ganze schnell hinter sich zu bringen. Das Publikum applaudierte pflichtgemäß, aber richtig Stimmung kam wirklich nicht auf.

My Dying BrideZum Schluss, bei MY DYING BRIDE trennte sich dann die Spreu vom Weizen. Schmerz, Leid und Traurigkeit sind bei den Engländern Programm. Und so schmetterte Sänger Aaron Stainthorpe im komplett weißen PsychiatrieOutfit (mit Schnallen und Metallösen) das Weinen in die Welt der Parkbühne - und hinterließ dann doch eher den Eindruck, ob MY DYING BRIDE nicht doch besser in einem kleineren und subtileren Auftrittsort besser gewählt wären. (MP)

AMDUSCIA wurden von vielen als die neue mexikanische Electro-Sensation gehandelt, doch von der Intensität Hocicos oder der musikalische Klasse Cenobitas sind Edgard, Karlos und Sänger Polo doch noch ein ganzes Stück entfernt. Musikalisch sehr trancelastig und mit verzerrten Vocals war Sänger Polo zwar die ganze Zeit von einer Seite der Bühne zur anderen unterwegs, doch unter dem Strich fehlen AMDUSCIA noch die songschreiberischen Fähigkeiten, die sich ins Gehör eingraben und zu mehr als "nur" netten Abtanznummern reichen. Ein guter Auftritt, aber noch weit davon entfernt den Status als Sensation zu rechtfertigen.

Keine Ahnung, wer für die Verpflichtung des SALONORCHESTERs WEIMAR verantwortlich war. Weder der Band noch dem Publikum tut man einen sonderlich grossen Gefallen damit, vor einer fast leeren AGRA-Halle aufzutreten, weil das Programm des Orchesters eher auf die Zuhörerschaft eines Max Raabe und seines Palastorchesters abzielt. Auch wenn das SALONORCHESTER WEIMAR mit einer gnadenlos geilen Version von RAMMSTEINs "Engel" zum Schluss Pluspunkte sammeln konnte und somit dem musikalischen Rahmen des WGT entsprach, ausser einem beileidsmässigem Höflichkeitsapplaus blieb wenig hängen.

Eröffnungsritual
Es folgte das traditionelle Eröffnungsritual, das Hammarritual, bei dem eine weise Frau die vier Winde, dargestellt durch vier Fackeln tragende Ritter, um den Segen für das 13. WAVE GOTIK TREFFEN anrief. Untermalt durch ruhige und keltisch beeinflusste Musik und eine atmosphärische Lightshow antwortet der angerufene Gote in Alt-Dänischer Sprache und führt die Mittenweihe durch. Ein eindrucksvolles Spektakel.

Leave´s EyesLEAVE'S EYES, oder besser Liv Kristine, ehemalige Sängerin von Theatre of Tragedy, war vor ihrer Live-Weltpremiere sichtlich nervös, doch bereits wenige Sekunden, nachdem die ersten Töne erklungen, legte sich diese Nervosität und die ganze Routine aller Musiker, die sich aus der Band ihres Ehemannes Atrocity rekrutierte, liess dieses Konzert zu einer gelungenen Premiere werden. Auch wenn der Rahmen, eingebettet in ein vornehmlich aus Electro-Fans bestehendem Publikum, sicher nicht ideal für den Gothic Metal der gebürtigen Norwegerin mit Wohnsitz Schwabenländle war, so hinterliessen LEAVE'S EYES Eindruck. Ehemann Alex Krull leistete gesangstechnische Unterstützung und spornte das Publikum immer wieder zum Mitmachen an, während Liv ihre auf dem Album zur Schau gestellten neu gewonnenen Gesangsqualitäten auch live grandios zu meistern wusste und die Lieder ihres Albums "Lovelorn" emotionell bewegend und weitaus überzeugender zur Darbietung brachte, als ihre letzten Shows mit Theatre of Tragedy. Ein überzeugendes Live-Debüt.

Suicide CommandoSUICIDE COMMANDO boten dann (natürlich) das absolute Kontrastprogramm. Brachiale Beats, verzerrte Vocals und das manische Stageacting Johan van Roys, an den Keyboards übrigens wieder unterstützt von Torben Schmidt (Lights of Euphoria), verwandelten die prall gefüllte Halle in ein Inferno zuckender Leiber und gnadenlos abtanzender Körper. Allerdings konnte die Lautstärke nicht darüber hinweg täuschen, dass der Sound SUICIDE COMMANDOs nicht das Format erreichte, was man sonst vom Belgier und seiner Lebensgefährtin, die die anderen Keyboards bediente, gewohnt ist. Mit "Hellrazor", der neuen Single "Cause Of Death: Suicide" und "Dein Herz Meine Gier" sowie "One Nation Under God" erreichte der Auftritt des Selbstmordkommandos dann auch seine viel umjubelten Höhepunkte. (MK)

Das Mitternachts-Special CAMOUFLAGE verlagerte sich immer mehr nach hinten und eigentlich wartet bei Gigs des sympathischen Synthie-Urgesteins jeder im Publikum nur auf ein bis zwei Songs. Also nichts wie weg zur Partyzone in Halle 4.2 und bis zum Morgengrauen Bruno Kramm und Damian Plague als DJs erleben… (IK)


Die WGT-Tage im Einzelnen:

[ Freitag, 28.05.2004 ]

[ Samstag, 29.05.2004 ]

[ Sonntag, 30.05.2004 ]

[ Montag, 31.05.2004 ]


Berichte von:
Daniel Bartsch (DB), Ivo Klassmann (IK), Thomas Sabottka (TS) für GothicWorld
Michael Kuhlen (MK), Markus Poschmann (MP) für Obliveon

Photos von:
Ivo Klassmann, Michael Kuhlen, Patricia Piefer, Simone Schröter (für alle zusammen!)